Bayern Eine Urwahl würde die CSU noch mehr spalten

Bis jetzt wird die Schlacht um die CSU-Führung von den Offizieren geführt. Eine Urwahl hätte zwar Charme - ist aber vor allem mit höchsten Risiken verknüpft.

Kommentar von Wolfgang Wittl

Mitglieder über die Zukunft einer Partei abstimmen zu lassen - das ist ein bestechend charmanter Gedanke. Oft genug müssen sich Politiker den Vorwurf gefallen lassen, sie würden am Willen der Menschen vorbei entscheiden. Warum also sollte nicht auch die zerstrittene CSU auf die Basis hören, wenn es darum geht, die Einigkeit in der Partei wieder herzustellen? Ganz einfach: Weil es in diesem Fall mindestens so viele Gründe dagegen gibt wie dafür.

Bis jetzt wird die Schlacht um die CSU von den Offizieren geführt. Von Politikprofis, die derzeit zwar nicht immer als solche erkennbar sind, aber wissen, dass sie eines Tages wieder zusammenarbeiten müssen.

Wer den Streit an die Basis delegiert, wird die Partei nicht einen, sondern noch mehr spalten: Franken gegen Altbayern, Katholiken gegen Protestanten, Liberale gegen konservative Hardliner - selbst wenn am Ende ein Ergebnis steht: Die Verletzungen wären groß.

Wie andere CSU-Politiker zieht Ilse Aigner immer offener gegen Markus Söder ins Feld. Es ist ihr gutes Recht, diesen Kampf zu führen. Aber mit einem Mitgliedervotum wird sie ihn nicht gewinnen. Zu gut vernetzt ist Söder im CSU-Land, und doch will auch er sich keiner Basisbefragung stellen.

Es kostet Zeit - und es wird deutlich machen, dass viele Mitglieder ihn ablehnen. Die Partei dann wieder zu befrieden, ist schwer. Für einen Polarisierer wie Söder ist es fast unmöglich.