Barthelmarkt in Oberstimm bei Ingolstadt Sieg-Heil-Rufe im Bierzelt

Wirbel um eines der ältesten Volksfeste in Bayern: Ein Youtube-Video zeigt, wie eine Band das Publikum in einem Bierzelt auf dem Barthelmarkt zu Sieg-Heil-Rufen animiert.

Von Kathrin Haimerl

Die Stimmung an dem Montag ist schon frühmorgens ausgelassen. Kein Wunder. Es ist der legendäre Barthelmarkt-Montag in Oberstimm, einem Ortsteil der Gemeinde Manching bei Ingolstadt. Die Festzelte sind seit sechs Uhr geöffnet, einige Besucher haben die Nacht durchgemacht, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Der Barthelmarkt gehört zu den ältesten Volksfesten in Bayern, wenn es nicht gar das älteste überhaupt ist.

Doch in diesem Jahr sorgt der Barthelmarkt-Montag wegen einer anderen Sache für Schlagzeilen. Jemand hat ein Handyvideo auf das Internetportal Youtube hochgeladen. Es dürfte gegen 8:30 Uhr entstanden sein, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ingolstadt. Die Band spielt gerade das Ende des Prosits der Gemütlichkeit. Einige Arme mit Maßkrügen recken sich nach oben. Die Kamera wackelt ein bisschen, der Ton ist schrill, der Filmer steht irgendwo hinten in der Menge, die Band ist im Hintergrund nur schemenhaft zu sehen. Im Vordergrund sind Burschen in Lederhosen zu sehen. Eine Szene aus dem Bierzelt von Festwirt Lorenz Stiftl. Zünftig geht es zu.

"Zickezacke, zickezacke ..." plärrt der Sänger ins Mikro. "Hoi, hoi, hoi" schreit das Publikum zurück. "Hipp, hipp" plärrt der Sänger, "Hurra", das Publikum. Und noch mal. Und noch mal. Typische Animationsgaudi in einem bayerischen Bierzelt. Doch dann ruft der Sänger ins Mikro "Sieg ..." "Heil!" schallt's vom Publikum zurück. Am Ende des Videos schießt rechts im Bild ein linker Arm nach oben, die nicht ganz korrekte Variante des sogenannten Deutschen Grußes. Die Burschen im Vordergrund grinsen.

Nicht einmal eine Minute lang dauert die Sequenz. Doch das Video sorgt in der Internetgemeinde für Aufregung. Und in der realen Gemeinde Manching befürchtet man nun, an dem Traditionsfest Barthelmarkt könnte ein brauner Beigeschmack hängen bleiben.

"Ein Wahnsinn", sagt Festwirt Lorenz Stiftl. Persönlich habe er die Situation nicht erlebt, er habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Festzelt aufgehalten. Erst kurze Zeit später seien aufgebrachte Gäste auf ihn zugekommen. "Einer hat sogar geweint", erzählt der Wirt.

Das Entsetzen über das Geschehene ist ihm am Telefon anzumerken. Zehn Jahre lang habe er mit der Showband Alley Cats zusammengearbeitet, und dann so was. Die Band tritt auf Hochzeiten sowie diversen anderen Volksfesten und Bierzelten in Bayern auf. Der Sänger der Band, sagt Stiftl, das sei doch "ein kluger Mann". Und weiter: "Ich habe keine Ahnung, was ihn da geritten hat."

Die lokale Presse indes zitiert Bierzeltgäste, wonach der auf Youtube gezeigte Vorfall nicht das einzige Mal gewesen sei, dass der Mann "Sieg" auf der Bühne gerufen habe. "Des is amal a Prosit der Gemütlichkeit" - mit diesem Kommentar hat Nutzer Maximus1889 das Video auf das Internetportal Youtube hochgeladen.

Inzwischen hat sich unter dem Video eine kontroverse Debatte entspannt. Alles nur Spaß, sagen die einen: "Geile Sache, der weiß, wie man Stimmung macht hahaha", schreibt einer. Die anderen weisen daraufhin, dass das Video nur einen kleinen Ausschnitt zeige und vom Publikum "nicht allzu viele mitgemacht hätten". Und es gibt auch Kommentare mit eindeutiger Gesinnung. Inzwischen hat es das Video in das rechtsextreme Thiazi-Forum geschafft - zur Belustigung einiger Nutzer.

In der Gemeinde Manching bemüht man sich in der Zwischenzeit um Schadensbegrenzung. Es ist die Rede von der "Sache" und am liebsten würde man die "Sache" ganz vergessen. Bürgermeister Herbert Nerb (Freie Wähler), der das Barthelfest mit dem traditionellen Anstich eröffnet hat, geht in die Offensive: "Wir lassen uns so ein altes Traditionsfest, das es seit dem Jahre 1300 gibt, nicht durch einen solchen Vorfall vermiesen." Insgesamt 280.000 Besucher habe das Fest über die gesamten vier Tage angezogen. "Und wir hatten auch noch Glück mit dem Wetter", alles in allem also eine positive Bilanz. Wäre, ja, wäre da nicht diese Sache gewesen. Nun hofft man, dass sich die Aufregung bald wieder legt.

Man distanziere sich in aller Deutlichkeit von dem Vorfall, was könne man in einer solchen Situation schon anderes tun. Festwirt Lorenz Stiftl hat eilig eine Pressemitteilung herausgegeben, in der er ankündigt, "ab sofort diese Band nicht mehr in meinen Festzelten auftreten zu lassen".

Kurz nachdem der Vorfall publik wurde, hatte sich auch der Sänger in der lokalen Presse zu Wort gemeldet und entschuldigt. Inzwischen ist er für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen, die Band hat zudem ihre Webseite aus dem Netz genommen. Doch das Ganze könnte ein Nachspiel für den Mann haben: Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. Ein Gast hat gleich nach dem Vorfall am Montag Strafanzeige gestellt.

Unklar ist, ob sich auch Festwirt Lorenz Stiftl für die Sieg-Heil-Rufe in seinem Bierzelt verantworten muss. Er hat vorsorglich einen Rechtsanwalt eingeschaltet.