Autobiografie von Edmund Stoiber Die schwärzeste Rothaut der Welt

Wie aus dem "arroganten Jungschnösel" ein Kanzlerkandidat wurde: Edmund Stoiber hat seine Autobiografie geschrieben und die ist durchaus eine Lesefreude. Auch weil sie - ganz untypisch für Stoiber - alles andere als sperrig ist. Nur wenn es um kritische Zeiten geht, werden die Schilderungen knapp und dürr.

Von Heribert Prantl

Edmund Stoiber hat ein Talent, von dem man bisher nichts gewusst hat: Er kann schreiben. Seine Autobiografie liest sich weg wie nichts - wenn man von den Passagen absieht, in denen er seine Ruhmestaten als Ministerpräsident aufzählt; da ähnelt der Text einer verspäteten Regierungserklärung. Ansonsten liest man ein schnörkelloses und unprätentiöses Buch, das da und dort hölzern ("Ein weiterer Höhepunkt war . . . ."), aber nicht sperrig ist. Man erlebt Stoiber, wie er denkt, fühlt, leibt und lebt.

Wer immer Stoiber, dessen verknäuelte Sprache in Reden und Interviews berüchtigt ist, beim Schreiben geholfen hat - herzlichen Glückwunsch! Gelegentlich, wenn er etwa auf seine legendäre Transrapid-Rede kommt, kann er sogar über sich selber schmunzeln. Seine Autobiografie ist eine kleine Lesefreude, nicht nur für die Parteifreunde.

Die schönsten Seiten Stoibers sind die ersten 90 Seiten. Man liest angerührt von einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, von Jung-Edmunds Indianerspielen ("Im Gegensatz zu meinem politischen Leben war ich als Kind oft eine Rothaut"),von seiner Zeit als Dorf-Fußballer im ASV Kiefersfelden, vom juristischen Studium in München ("es fing erst einmal recht lässig an") und der Heirat in der Referendarzeit ("nach zweijähriger Verlobungszeit fand mein Vater, ein Mann der Tat, dass geheiratet werden sollte").

Man erlebt auf diesen Seiten die politische Sozialisation des Edmund Stoiber in den Zeiten der Studentenunruhen, mit denen er überhaupt gar nichts anfangen konnte. All diese "Umtriebe" waren dem oberbayerischen Parzival ganz herzlich fremd; und den Agitatoren Rudi Dutschke und Rolf Pohle hörte er, bevor man ihn als politischen Feind erkannte und aus dem Hörsaal warf, eher mit ungläubigem Staunen als mit Zorn zu.

So wurde er ein "umgedrehter Achtundsechziger" - und schrieb, weil ihm die Hörsaalbesetzungen und die "aggressive Unduldsamkeit" der Linken so auf den Geist gingen, seine juristische Doktorarbeit über den "Hausfriedensbruch im Lichte aktueller Probleme" bei Friedrich Christian Schroeder in Regensburg.

Als dessen Assistent machte er Erfahrungen damit, wie es ist, vor Leuten zu reden. Den Hörsaal vertauschte er, nachdem Umweltminister Max Streibl ihn zu seinem Referenten gemacht hatte, mit Wirtshaus und Bierzelt.

Stoiber schildert, warum die Alten ihn bei seiner ersten Landtagskandidatur für einen "arroganten Jungschnösel" hielten - und was er dagegen unternahm. Diese Stelle mag man ihm partout nicht abnehmen. Zu Straußens Zeiten wurde bei Umtrünken gefeixt, der Stoiber trinke nur Wasser, aber vom besten Jahrgang. Im Buch behauptet er nun, er habe durch gemeinsames Trinken von "zwei Flaschen Schladerer" den CSU-Ortsvorsitzenden von Irschenberg für sich eingenommen. Da glaubt man ihm eher noch den Satz auf Seite 164: "Es gab keine Spendenaffäre der CSU."

"An meiner Frau schätze ich, äh..."

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