Auf Gipfel Helfer sind von Politik enttäuscht

"Die Frustration ist groß", sagen Unterstützer von Asylbewerbern

Von Sven Loerzer

Dass Asylbewerber kaum arbeiten dürfen und jetzt auch noch Stellen für die Asylsozialberatung gestrichen werden, darunter leiden nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch ihre ehrenamtlichen Helfer. Das zeigte sich beim 5. Asylgipfel der Helferkreise in Oberbayern, zu dem rund 200 Teilnehmer aus den Unterstützerkreisen nach München kamen. "Die Frustration ist groß", sagte Pfarrer Jost Herrmann, Koordinator des Unterstützerkreises in Weilheim und Mitorganisator des Treffens, "der Hauptgrund aufzuhören, ist die bayerische Politik".

Vielen Helfern, die sich engagiert hätten, um Flüchtlinge im Alltag zu unterstützen, gehe es inzwischen sehr schlecht, weil die Erfolgserlebnisse fehlten. Dennoch würden die meisten Helfer die Flüchtlinge nicht hängen lassen. Aber auch die Helfer leiden, wenn Flüchtlinge plötzlich 7500 Euro für Unterkunftskosten nachzahlen sollen und verzweifelt wegen der Schulden Rat suchen.

Die Zusammenlegung der Asylsozial- und Migrationsberatung und die Berechnung der Stellen nach dem Ausländeranteil führe gerade auf dem Land zu einem drastischen Abbau von Stellen in der Asylsozialberatung. In manchen Landkreisen falle die Hälfte der Stellen weg. "Das schafft große Aufregung und Verunsicherung", sagte Herrmann. "Die ehrenamtlichen Helfer wollen und können diese Lücke nicht auffüllen." Sie seien nicht dazu da, "komplizierte Formulare auszufüllen". Der Argumentation des Freistaats, dass wegen gesunkener Asylbewerberzahlen weniger Beratungsarbeit nötig sei, hält Herrmann entgegen: "Anerkannte Asylbewerber machen genauso viel Arbeit." Wenn die Beraterstellen wegfielen, "dann kommt Chaos", prophezeite Herrmann.

Um sich mehr Gehör bei der Politik zu verschaffen, wollen sich die Asylhelfer verstärkt überregional organisieren. So will "Unser Veto", der Bundesverband der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, am 24. März in Nürnberg seinen ersten Landesverband gründen. Darüber hinaus gibt es erste Überlegungen, im Sommer, rechtzeitig vor der Landtagswahl, einen bayernweiten Asylgipfel zu veranstalten, der sich mit einem Konzept für die Zukunft beschäftigt und seine Forderungen an die Politik stellt. So sehen die Helfer etwa auch die Einrichtung von großen Transitzentren für Flüchtlinge überaus kritisch.

Kirchenasyl, so machte Susanne Henninger vom Evangelischen Landeskirchenamt deutlich, könne nur im Einzelfall eine Hilfe sein. "Der Bedarf und Wunsch nach Kirchenasyl vonseiten der Betroffenen und der Unterstützer ist viel größer als die Zahl der Kirchengemeinden, die tatsächlich in der Lage sind, ein Kirchenasyl einzurichten." Kirchenasyl könne nur eine Überbrückung ermöglichen, bis eine gute Lösung gefunden ist, meinte Herrmann. So lasse sich beispielsweise eine Abschiebung in EU-Länder verhindern.

Die Asylhelfer wollen künftig ihre Kräfte stärker bündeln. "Wir sehen häufig, dass Leute, die sich alleine engagieren, daran scheitern", sagte Loulou Kinski vom Münchner Flüchtlingsrat. Die Auswirkungen der Arbeitsverbote und Unterkunftsgebühren für Flüchtlinge hätten im letzten Jahr dazu geführt, dass bis zu einem Drittel der Helfer verärgert aufgehört hätten, erklärte Herrmann.