Atomdebatte Probleme im Reaktor Isar 1

Das umstrittene Atomkraftwerk Isar 1 ist abgeschaltet - doch beim Herabfahren gab es offenbar Probleme. Betreiber Eon beruhigt. Die Grünen üben heftige Kritik.

Von Christian Sebald

Bei der Abschaltung des Alt-Reaktors Isar1 am Donnerstag vor einer Woche ist es zu einer Panne gekommen. Wie der Betreiber Eon am Dienstag in einer Pressemitteilung auf seiner Homepage mitteilte, wurde beim Herabfahren des Meilers eine Schnellabschaltung ausgelöst. Die Panne habe "keinerlei sicherheitstechnische Bedeutung gehabt", erklärte eine Eon-Sprecherin. Auch das Umweltministerium, das den Vorfall erst im Lauf des Mittwochs auf seiner Homepage meldete, wollte nicht näher Stellung beziehen. "Das Ereignis hatte keine unzulässigen Auswirkungen auf den sicheren Anlagenbetrieb und die Umgebung", hieß es lapidar auf der Homepage des Hauses von Minister Markus Söder.

Die Grünen und die Ärzteorganisation IPPNW übten scharfe Kritik. Der Grünen-Abgeordnete Ludwig Hartmann forderte, Eon sofort die Betriebserlaubnis für den Alt-Reaktor zu entziehen.

Eon hatte Isar1 nach eigenen Angaben am Donnerstag gegen 16 Uhr vom Netz genommen. Fünf Stunden später sank der Kühlwasserstand im Reaktordruckbehälter so rapide ab, dass sich die automatische Schnellabschaltung auslöste. "Beim Herabfahren eines Reaktors kommt es immer zu Schwankungen des Kühlwasserstandes", erklärte die Eon-Sprecherin zu dem Vorfall. "Aber das Sicherheitssystem hat wie erwartet reagiert." Anschließend sei das Kühlwasser wieder auf Normalmaß angehoben worden.

Die Ursache der Panne sei unklar, sie müsse untersucht werden. Experten zufolge könnte zum Beispiel ein Sensor versagt haben, so dass ein falscher Kühlstand im Reaktordruckbehälter angezeigt worden sei. Allerdings könnte auch ein Mitarbeiter die Anzeige falsch abgelesen haben, schließlich sei der Reaktor manuell herabgefahren worden.

Für Henrik Paulitz, den Atomexperten der Ärzteorganisation IPPNW, zeigt die Panne eindringlich, dass "die Atomindustrie ihre Reaktoren noch nicht einmal beim Abschalten im Griff hat". Das sieht auch Grünen-Mann Hartmann so. Nach seiner Überzeugung bestätigt die Panne einmal mehr die Überfälligkeit des Atomausstiegs. "Wir brauchen keine neue bayerische Kommission für Reaktorsicherheit oder Nachrüstungen", sagt Hartmann. "Wir brauchen eine dauerhafte echte Energiewende weg von der Kernkraft." Scharfe Kritik übten Paulitz und Hartmann auch daran, dass Eon die Panne erst nach fünf Tagen bekannt gegeben hat. "Das ist ein Skandal", sagte Hartmann. "Eon hat nichts aus der Katastrophe in Japan gelernt."