Asylbewerber in Bayern Staatsregierung rechnet mit 35.000 Flüchtlingen

Ein ehemaliges Möbelhaus in Fürth wird derzeit als Dependance der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf hergerichtet.

(Foto: dpa)

"Wir kämpfen um jeden Aufnahmeplatz": Bayerns Sozialministerin Emilia Müller korrigiert ihre Prognose nach oben. Der Freistaat sei das Zielland Nummer eins für Flüchtlinge. Für ihre Unterbringung müssen nun Übergangslösungen gefunden werden.

Von Katja Auer und Dietrich Mittler

Kinder turnen in der Spielecke herum, ein junger Palästinenser erzählt Sozialministerin Emilia Müller, dass alles sehr gut sei hier. Er meint seine Bleibe im ehemaligen Möbelhaus Höffner, wo seit zwei Tagen Flüchtlinge leben. Um die 250 sind es zurzeit, bis zu 500 könnten es werden.

Das große Gebäude soll eine weitere Entlastung sein für das völlig überfüllte Erstaufnahmelager in Zirndorf. "Es ist weitläufig, es ist gut organisiert", sagt Müller bei ihrem Besuch. Zwar gibt es keine Fenster und die Menschen haben keine eigenen Zimmer, aber mit Absperrgittern und Planen wurden Abteile geschaffen, in denen die Flüchtlinge wenigstens ein bisschen Privatsphäre haben.

Der Besitzer will keine Miete für das Gebäude, auch die Betten hat er gestiftet. Eine "soziale Großtat" nennt das Regierungspräsident Thomas Bauer. Dennoch sei auch das nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". 2565 Menschen würden gerade in Zirndorf und seinen inzwischen neun Außenstellen betreut. 950 sollten es höchsten sein.

"Die Lage ist angespannt", sagt Bauer, daran habe auch die Wiedereröffnung der zweiten Erstaufnahmeeinrichtung in München nichts geändert. Linderung, so glaubt er, könne es erst geben, wenn auch in den anderen Regierungsbezirken solche Einrichtungen eröffnet werden. "Und wenn mehr Leute weiterverteilt werden, als wir aufnehmen", sagt Bauer.

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Sozialministerin Emilia Müller geht unterdessen fest davon aus, dass in Bayern bis zum Jahresende deutlich mehr als die bislang prognostizierten 33 000 Asylbewerber eingetroffen sein werden. "35 000 Asylbewerber wird eine Zahl sein, vor der wir stehen werden", ist ihre persönliche Prognose. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird in den nächsten Tagen neue Zahlen vorlegen.

Schon jetzt steht fest: Sie werden höher ausfallen als die zurückliegenden. Mittlerweile sind im Freistaat bereits gut 45 000 Asylbewerber untergebracht. Bayern, so sagt Müller, sei das Zielland Nummer eins für die Flüchtlinge, was unter anderem auch an den Hauptfluchtrouten von Süd nach Nord liege.

Der Druck zeigt seine Wirkung

"Wir kämpfen um jeden Aufnahmeplatz", dieser Satz ist derzeit oft aus dem Mund der Ministerin zu hören. Das Thema Asyl bestimmt ihren Arbeitstakt. Am Mittwoch war sie - bevor sie in Fürth im ehemaligen Möbelhaus Höffner eintraf - auch noch rasch in Manching, um sich kurz in der Max-Immelmann-Kaserne umzusehen und dort auf die Fragen der lokalen Presse einzugehen. Diese Kaserne, so ihr Fazit nach dem Besuch, eignet sich zur Aufnahme von Flüchtlingen. Nur zu oft hat sie sich in den zurückliegenden Tagen den Ratschlag anhören müssen, bei der Unterbringung der Asylbewerber doch bitte mehr auf Kasernen zurück zu greifen.

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"Doch leider", so stellte Müller diese Woche im Landtag klar, seien viele Kasernen nicht zu nutzen. Manche sähen von außen zwar immer noch gut aus, aber innen fehle die Infrastruktur, um dort Hunderte von neu eintreffenden Asylbewerbern unterbringen zu können. Und überhaupt: "Es ist nicht so einfach, eine Erstaufnahme-Einrichtung auf den Weg zu bringen. Die Kommunen kommen nicht auf einen zu und sagen: Ich habe eine Erstaufnahme-Einrichtung, ich möchte was anbieten", weist sie Vorwürfe zurück, warum nicht alles viel schneller geht. Der Druck, der durch Bilder von den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingsunterkünften in München und in Zirndorf ausging, zeigt seine Wirkung.

Doch trotz aller Schwierigkeiten steht nun der Zeitplan, wann die neuen Erstaufnahme-Einrichtungen bereitstehen sollen: Jene in Deggendorf soll am 2. Januar öffnen, und die in Bayreuth werde Mitte 2015 so weit sein. Im Fall Bayreuth gelte: "Die Stadt baut, der Freistaat mietet." Dieses Konzept werde auch für den Standort Augsburg Airpark anvisiert, der voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2015 bezugsfertig sein kann. "In Regensburg", so betonte die Ministerin, "schaffen wir jetzt eine Übergangslösung mit 250 Plätzen."