Aschaffenburg Nachtportier schlägt Einbrecher mit Yogi-Buch in die Flucht

"Ich hab gar nicht lange rumüberlegt und sofort auf ihn gefeuert", sagt der Aschaffenburger. Dabei wollte er den Angriff eigentlich anderweitig abwehren.

Interview von Olaf Przybilla, Aschaffenburg

Ein 57 Jahre alter Nachtportier hat einen bewaffneten Halunken mit der Autobiografie eines Yoga-Lehrers in die Flucht geschlagen, beziehungsweise geworfen. Weil der maskierte Mann noch nicht gefasst wurde, gibt der 57-Jährige als "Peter Müller" Auskunft, eigentlich heißt er anders. Aber auf einen weiteren nächtlichen Besuch dieses Herren, diesmal womöglich privat, würde er gern verzichten.

SZ: Herr Müller, Sie informieren sich während Ihrer Nachtschicht im "Aschaffenburger Hof" über das Leben eines Yogi?

Peter Müller: Nein, stopp. Das ist kein Buch von mir. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wer das in den privaten Schrank an der Rezeption gelegt hat. Ich hab mir mal gedacht, das hat ein Kollege womöglich als Anspielung auf mich da reingelegt.

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Als Kompliment gewissermaßen?

Könnte doch so sein, oder? Gibt halt immer so Eintragungen in unserem Gästebuch. Und da steht öfters "noch nett mit dem Nachtportier" geplaudert oder Ähnliches.

Aber, Verzeihung: Als der Herr Ihnen nachts diesen Besuch abstattete, waren Sie jetzt nicht die Gelassenheit in Person.

Ich kam gerade von der Toilette. Ich habe etwas gehört und dachte, da wäre eine Tür zugefallen. War aber nichts. Als ich an der Rezeption ankomme, steht da eine Schublade offen. Ich drehe mich um, da steht plötzlich einer vor mir. Und nuschelt irgendwas.

Schon mal ungut.

Der war vermummt, ich war gleich misstrauisch. Plötzlich legt er ein Messer auf die Theke und blafft mich an: "Geld her! Geld her!"

Und Sie?

Ich hab zurückgeblafft: "Hab keins!"

Oh.

Dann nimmt er ein Pfefferspray und sprüht in meine Richtung. Ich dreh mich um, hinter mir sind Schränke für persönliche Dinge und eine Schublade. Und in der ist ein Schlagstock drinnen. Als ich hier vor zwölf Jahren anfing als Nachtportier, war der schon da.

Also her mit dem Ding.

So war der Plan. Ich hab aber nur den Griff der Schublade in die Hand bekommen. Und das genommen, was ich kriegen konnte.

Den fliegenden Yogi.

Ich hab gar nicht lange rumüberlegt und sofort auf ihn gefeuert.

Sie wussten: Das ist ein Buch.

Sofort. Ich bin eine Leseratte, da war mir das gleich klar. Er wurde, soweit ich das beurteilen kann, voll getroffen. Und war dann offenbar komplett eingeschüchtert und hat umgehend die Flucht ergriffen.

Möglicherweise hatte er sich einen Nachtportier anders vorgestellt. Irgendwie verbindlicher.

Dass ich zurückgebrüllt habe: "Hab keins" - darauf war er nicht vorbereitet. Und er war eh schon unsicher. Das hab ich gespürt.

Ist das Buch noch ganz?

Dem ist im Wesentlichen nichts passiert. Aber wie gesagt: Meine Sache wäre diese Art Literatur sowieso nicht.

Trotzdem: Bücher helfen immer.

Offenbar. Nur halte ich es dann doch eher mit Dostojewski und Martin Walser. Und dem "Herr der Ringe", meinem Lebensbuch.

Was machen Sie jetzt?

Ich gehe schlafen.

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