Ansbach Gustl Mollath erstattet Anzeige wegen möglicher Misshandlung seines Bruders

Gustl Mollath war siebeneinhalb Jahre in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Der Bruder von Gustl Mollath ist im Bezirksklinikum Ansbach gestorben.
  • Gustl Mollath glaubt, Hämatome am Hals seines toten Bruders fotografiert zu haben, von denen im Obduktionsbericht keine Rede war.
  • Mollath führt die Flecken auf mögliche Misshandlungen zurück und hat Strafanzeige erstattet.
  • Jürgen Mollath war wegen möglicher Eigengefährdung in dem Bezirksklinikum untergebracht.
Von Olaf Przybilla

16 Jahre lang hatte Gustl Mollath kaum einen Kontakt zu seinem Bruder Jürgen, nach dem Tod der Mutter haben sich die beiden Brüder überworfen. Die Entfremdung dauerte auch an, als Mollath siebeneinhalb Jahre in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht war, auch während der Zeit gab es kaum Kontakt. Nach dem Tod des Bruders im Bezirksklinikum Ansbach hat Gustl Mollath diesen nun wieder gesehen.

Er habe "nach der Obduktion sehr viel fotografisch dokumentiert", berichtet Gustl Mollaths Freund Edward Braun. Braun hat die Fotos des Leichnams auch gesehen. Er ist Zahnarzt, vergleichbare Bilder habe er öfters schon gesehen, sagt er. Diese sahen "merkwürdig" aus, sagt Braun. Zumindest auf den ihm vorliegenden Bildern könne man Hämatome am Hals nicht ausschließen. Im Obduktionsbericht sei davon aber nicht die Rede gewesen.

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Gustl Mollath und einer seiner Unterstützer haben deshalb Strafanzeige erstattet, wie Ansbachs Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger bestätigt. Diese Anzeige gehe von einer möglichen Misshandlung des zuletzt im Bezirksklinikum Ansbach untergebrachten Jürgen Mollath aus. Aufgrund der Anzeige ist ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet worden. Auch habe die Staatsanwaltschaft einen Gutachter beauftragt. Dessen schriftliche Stellungnahme liege noch nicht vor.

Weil der Fall aber inzwischen Wellen schlage, habe sich der Gutachter aber vorab mündlich geäußert, sagt Schrotberger. Die auffälligen Flecken am Hals könnten demnach dadurch zu erklären sein, dass Mollath den Leichnam seines Bruders erst mehrere Tage nach dessen Tod fotografiert habe. Es würde sich demnach um normale "Todesflecken" handeln, sagt Schrotberger. Auf dem Obduktionsbericht wären diese deshalb nicht beschrieben, weil der Bericht bereits Tage zuvor angefertigt worden ist.

Jürgen Mollath, 70, lebte bis vor kurzem in einem Altersheim in Nürnberg, er stand unter Betreuung. Vor etwa sechs Wochen wurde er im Bezirksklinikum Ansbach untergebracht, nachdem sein Betreuer dies beantragt hatte. Jürgen Mollath hatte seinen Platz im Altersheim verloren, nachdem er für den Brand eines Heimmülleimer verantwortlich gemacht worden war. Seit er nicht mehr im Heim wohnte, galt Jürgen Mollath als wohnsitzlos, offenbar reiste er viel herum.

Jürgen Mollath soll an Herzversagen gestorben sein

Nach Angaben seines Betreuers soll sich sein Allgemeinzustand seither stark verschlechtert haben, Jürgen Mollath magerte ab und musste Tabletten nehmen. Nachdem Jürgen Mollath in Ansbach die Rechnung in einer Gastwirtschaft nicht bezahlt hatte und verwahrlost aufgegriffen wurden, stellte sein Betreuer am 23. 8. 2016 den Antrag, Jürgen Mollath wegen möglicher Eigengefährdung in einem Bezirksklinikum unterzubringen. Der Zeitraum sollte bis zum 4. Oktober 2016 beschränkt sein, sagt der Sprecher der Nürnberger Justiz, Friedrich Weitner.

Im Ansbacher Bezirksklinikum wurde Jürgen Mollath nach SZ-Informationen schon mehrfach behandelt, er litt unter einer chronischen psychischen Erkrankung. Zwei Wochen nach seiner letzten Einweisung wurde Jürgen Mollath tot in seinem Bett gefunden. Das Bezirksklinikum, heißt es aus der Klinik, sei vorgegangen wie immer. Da die Todesursache unklar war, sei die Staatsanwaltschaft informiert worden, diese habe eine Obduktion veranlasst. Nach dieser gehe man davon aus, dass Jürgen Mollath an einem natürlichen Tod, an Herzversagen, gestorben ist.

Von erkennbaren Hämatomen sei vor der Anzeige in der Klinik nichts bekannt gewesen, heißt es aus dem Bezirksklinikum. Woher die Aufregung komme, könne man sich allein mit dem Namen "Mollath" und an im Netz kursiereden Gerüchten erklären, sagt jemand aus der Klinik, der mit dem Fall vertraut ist. Die offizielle Erklärung der Klinik fällt, wie in solchen Fällen üblich, wesentlich kürzer aus: Aufgrund der Pflicht zur ärztlichen Verschwiegenheit könne man in diesem Fall überhaupt nichts sagen, erklärte eine Sprecherin des Bezirksklinikums Ansbach.

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