Verkehrssicherheit So wenige Unfalltote wie noch nie

Autofahren wird sicherer, Radfahren aber nicht: Die Zahl der Verkehrstoten ist auf 3600 gesunken, ein historischer Tiefstand. Doch ältere Radler leben gefährlich. Vor allem bei gutem Wetter.

Von Daniela Kuhr

Die Zahl der Verkehrstoten geht weiter zurück; im vergangenen Jahr ist sie auf den niedrigsten Stand seit 1950 gesunken. 3600 Menschen kamen 2012 auf Deutschlands Straßen ums Leben. Das seien 409 weniger als im Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mit. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht: Immer noch sterben durchschnittlich zehn Menschen pro Tag im Straßenverkehr. 1970 jedoch, im bislang schwärzesten Jahr der Unfallstatistik, starben 21 332 Menschen auf den Straßen und Autobahnen der alten Bundesrepublik.

Seither sei die Zahl fast kontinuierlich gesunken, sagte Roderich Egeler, der Präsident des Statistischen Bundesamts. Er führte das unter anderem auf die Einführung der Gurtpflicht für Autofahrer und der Helmpflicht für Motorradfahrer zurück. Auch das Senken der Promillegrenze und der Einbau von Airbags in Autos habe viele Leben gerettet. Die rückläufige Zahl sei umso erfreulicher, als mittlerweile sehr viel mehr Fahrzeuge unterwegs seien als früher. "Gemessen am Fahrzeugbestand war das Risiko, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, im Jahr 1950 noch 45-mal höher als 2012", sagte Egeler. Grund zur Entwarnung gebe es aber nicht.

2,4 Millionen Verkehrsunfälle

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Verkehrsunfälle. Bei den meisten davon blieb es bei Sachschäden. In jedem achten Fall aber gab es Verletzte oder Tote. Grund für die Unfälle war meist, dass der Fahrer falsch abbog, die Vorfahrt nicht beachtete, zu schnell fuhr oder zu wenig Abstand hielt. Fast drei Viertel aller Unfälle ereigneten sich innerhalb von Ortschaften oder Städten. Nur jeder fünfte passierte auf der Landstraße; gerade mal sechs Prozent ereigneten sich auf Autobahnen.

Betrachtet man aber die Folgen, so stellt sich die Gefahrenlage anders dar: 60 Prozent der tödlichen Unfälle ereigneten sich auf Landstraßen, gut zehn Prozent auf Autobahnen und knapp 30 Prozent innerhalb von Ortschaften. "Die Gefahr, tödlich zu verunglücken, ist damit auf Landstraßen besonders groß", sagte Egeler.

Knackpunkt Kurve

Tückisch sind dort vor allem die Kurven. Immer wieder verlieren dort Fahrer wegen zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über das Auto und prallen auf einen Baum neben der Straße. 595 Menschen kamen im vergangenen Jahr so ums Leben, viele von ihnen waren zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Etwa 50 Prozent der im Straßenverkehr Getöteten waren Autofahrer, 16 Prozent Motorradfahrer, 14 Prozent Fußgänger und elf Prozent Radfahrer. Bei den Radfahrern ist die Zahl der Toten erneut leicht gestiegen; 406 Radler starben 2012 im Straßenverkehr, sieben mehr als im Vorjahr; mehr als die Hälfte waren 65 Jahre oder älter. Die Zahl der Radunfälle sei vom Wetter abhängig, sagte Ingeborg Vorndran, Unfallexpertin beim Statistikamt. Bei schönem Wetter stiegen mehr Menschen aufs Rad, die Zahl der Unfälle steige entsprechend. Verkehrsminister Peter Ramsauer lehnt eine Helmpflicht weiterhin ab. "Wir setzen auf Eigenverantwortung", sagte sein Sprecher.

Mit Schirm, Schlitz und Melone

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