Transport auf Schienen Die Kunst, eine Lok nach Finnland zu bringen

Eine neue Breitspur-Lok wird vom Siemens-Werk in der Krauss-Maffei-Straße in Allach nach Finnland überführt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Breitspur-Loks in andere Länder zu überführen, ist kompliziert und zeitaufwendig. Eine Münchner Firma liefert immer wieder logistische Glanzleistungen ab.

Von Marco Völklein

Geduld, sagt Roland Hofmann und lächelt, sei nicht nur eine Tugend. "Sie gehört bei einem Lokführer zum Berufsbild einfach dazu." Er steht mit seiner Lok auf einem Überholgleis am kleinen Haltepunkt Petershausen, etwa 50 Kilometer vor Ingolstadt. Eben ist ein ICE auf dem Gleis neben ihm vorbeigezischt, nun muss er noch einen Regionalzug passieren lassen.

Nach gut 20 Minuten geht es weiter. Das Signal vor ihm springt auf Grün, Hofmann dreht am Temporegler seiner Lok der Baureihe 103. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung, ganz langsam. Und sehr viel schneller wird er auch nicht. Mehr als 60 Stundenkilometer darf Hofmann heute nicht fahren. Die Ladung, die hinten dranhängt an seiner 103, lässt höhere Geschwindigkeiten nicht zu. Wäre man ein Pendler in einem Personenzug, sagen wir, auf dem Weg von München nach Ingolstadt - spätestens jetzt wäre einem der Geduldsfaden endgültig gerissen.

Hofmann aber zieht keine Fahrgäste durchs Land, auch keinen Güterzug mit Containern oder Kesselwaggons. Er transportiert vielmehr eine andere Lokomotive vom Werk in München-Allach in den Verladehafen nach Rostock. Zwei Tage sind er und Zugbegleiter Dominik Recker unterwegs, dann wird ein Kran die Lok auf ein Schiff hieven, das sie weiter nach Finnland schippert.

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Andere Länder, andere Spurweiten

Die Lok ist die erste von 80 Maschinen vom Typ Vectron, die die finnische Staatsbahn bei Siemens gekauft hat, für insgesamt mehr als 300 Millionen Euro. Das Problem ist nur: Die finnische Bahn fährt auf Breitspur; die Spurweite dort beträgt 1520 Millimeter. In Mitteleuropa dagegen liegen Schienen mit 1435 Millimeter Spurweite, Fachleute nennen diese die "Normalspur". Allein schon wegen der unterschiedlichen Spurweiten können die 80 Finnland-Loks nicht aus eigener Kraft nach Rostock rollen. Deshalb kommen Hofmann und Recker ins Spiel.

Sie arbeiten für die Münchner Firma Railadventure, die sich auf Überführungs- und Versuchsfahrten von Schienenfahrzeugen spezialisiert hat. Insbesondere für den Transport von Breitspur-Fahrzeugen auf Normalspur-Gleisen hat Railadventure Hilfsfahrgestelle entwickelt, "Loko-Buggys" genannt. Ohne diese hätte Siemens die Lok in mehrere Teile zerlegen und in Finnland wieder zusammenbauen müssen. So hebt ein Kran im Werk die 90 Tonnen schwere Vectron auf die Buggys, Hofmann und Recker koppeln vorne und hinten jeweils einen Bremswagen an und spannen die Zugmaschine davor - fertig.