Porsche 918 Noch schneller, noch lauter, noch brutaler

Der Porsche 918 ist ein Supersportler der Superlative: Er leistet knapp 800 PS, kostet 768.000 Euro und wird lediglich 918 Mal gebaut. Dank Hybridtechnik verspricht Porsche nur drei Liter Verbrauch, doch natürlich ist er durstiger. Sein Fahrverhalten begeistert trotzdem.

Von Georg Kacher

Verbeugung vor der Geschichte: der Porsche 918 im klassischen Martini-Dekor. Der Supersportwagen kommt 2013.

Der Prototyp Nummer 23 ist das vorletzte Vorserienauto der Baureihe 918. Die zukunftsweisende Technik steckt in einem beinahe historischen Kleid: Grundfarbe Weissach-weiß, Martini-Streifen wie einst im Mai, eine aggressive Zweckform geprägt von Versatzstücken des 917, 906 und 935. Selbst die Kennzeichen verweisen auf die große Rennsport-Vergangenheit: S-XR 42 zierte einst einen siegreichen 908.

Erste Ausfahrt auf öffentlichen Straßen. Der Projektleiter Frank Walliser verwandelt das Coupé mit wenigen Handgriffen zum Targa - Pardon, Spyder. Sein Beifahrer weiß das zu schätzen, denn mit geschlossenem Dach ist der Ein- und Ausstieg für große Menschen eine Tortour. Obwohl der Radstand gegenüber dem 2010er-Showcar um 80 Millimeter verlängert wurde, entpuppt sich das Cockpit als strenge Kammer mit knapper Kopf- und Beinfreiheit.

Auf dem Weg zur Pforte der Weissacher Denkfabrik bewegt sich der 918 mit fast lautloser Elektrokraft. Immer wieder kommt es zu Beinahe-Konflikten mit Fußgängern, deren Ohren auf Porsche-Verbrenner geeicht sind. Wir biegen links ab, Richtung Pampa, immer noch leicht säuselnd und emissionsfrei. Wenn er muss, kann der Plug-in-Hybrid mit den beiden 116 (vorne) und 129 PS (hinten) starken Stromern in 8,0 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, 125 km/h schnell sein und 25 Kilometer weit fahren.

Doch die Nummer 23 kann auch anders. Der Projektleiter wählt mit dem rechten Daumen das Kennfeld H. Sofort schaltet sich der knapp 800 PS starke 4,6-Liter-V8-Sauger zu. Das geschieht laut und vernehmlich, begleitet von leichten Vibrationen und von einer markanten Akustik ohne Filter und Weichzeichner. Nicht genug Wumms? Dann ab in S. Das steht für Sport-Hybrid und treibt dem Passagier prompt die Blässe ins Gesicht. Denn jetzt geht's richtig los. Die drei Antriebsquellen haben ihre helle Freude daran, sich gegenseitig auszustechen, und das PDK-Getriebe peitscht die sieben Gänge durch die beiden Schaltgassen. "Der Motor darf aktuell nur 6000 Touren drehen", entschuldigt sich Walliser. "Später liegt die Hochschaltdrehzahl bei 11.000 Kurbelwellenumdrehungen. Wir arbeiten auch noch an der Laufruhe und am Geräuschverhalten."

Tempo im Zeitraffer

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr, denn in weniger als einem Jahr soll der Supersportwagen in Serie gehen. Wie flott man im 918 unterwegs sein kann, dokumentiert das Tier im Ingenieur nach dem Einlegen des Race-Modus. Schlagartig ist der Über-Porsche noch schneller, noch lauter, noch brutaler, noch unmittelbarer. Die beiden E-Motoren boosten schon bei Halbgas um die Wette, das kombinierte maximale Drehmoment von 780 Newtonmetern lässt die PSM-Warnleuchte panisch flackern, die zwei hochgesetzten Auspuffschlangen sorgen im Gehörgang für örtliche Betäubung.

Der 918 vermittelt Tempo im Zeitraffer. Die Lenkung zackt in 2,3 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag, die adaptive Aerodynamik erhöht in drei Stufen den Anpressdruck, die Hinterachslenkung kombiniert hohe Fahrstabilität mit extremer Wendigkeit, die Achslastverteilung ist mit 43 zu 57 erfreulich ausgeglichen. Weil der Hybrid-Kit mit 315 Kilo zu Buche schlägt, beträgt das Gesamtgewicht 1700 Kilo - es sei denn, der Kunde bestellt das 70.000 Euro teure Weissach-Paket. Durch 50 Einzel-Maßnahmen macht es den wagen 35 Kilo leichter.

Bis dato ist nur rund ein Drittel der auf 918 Stück limitierten Sonderserie fix vergeben. Doch das dürfte sich ändern, sobald sich herumspricht, welches Talent hier an der Steckdose hängt. Nur die Verbrauchsangabe von 3,0 l/100 km ist grotesk, denn die zum Laden der Batterie nötige Energie wird vom EU-Amtsschimmel durch ein verzerrendes Messverfahren glatt ignoriert.

Fazit: Der 918 Spyder bietet ganz großes Auto-Erlebnis. Nicht nur das Zusammenspiel der elektrischen und mechanischen Kräfte begeistert. Sondern auch Grip, Handling und Stabilität. Ein Höhepunkt ist die Bremse, die erstmals zwei E-Maschinen und vier Karbon-Keramik-Scheiben zusammenspannt - mit unglaublich nachhaltiger Wirkung.