Neuer Seat Toledo Er soll Seat aus der Krise führen

Seat schreibt seit Jahren rote Zahlen. Der Toledo soll das ändern. Dazu bauen die Spanier den Wagen wieder als Stufenhecklimousine. Das Ergebnis sieht ansprechend aus und bietet ein sportliches Fahrgefühl zu einem günstigen Preis.

Von Michael Specht

Seat könnte es besser gehen. Man ist zu stark fixiert auf den Heimatmarkt, und der liegt - Effekt der Schuldenkrise - am Boden. Die Spanier haben momentan andere Sorgen, als ein Auto zu kaufen. James Muir, seit 2009 Chef von Seat, versprach zwar, innerhalb von fünf Jahren die Marke aus den roten Zahlen zu fahren. Doch die Zielvorgabe wackelt. "Wir sind mitten in unserer größten Produktoffensive", sagt Muir. Den Anfang machte der überarbeitete Ibiza sowie der kleine Mii, ein Ableger des VW Up. Bald folgt in der Golf-Klasse der neue Leon.

Nach drei Jahren Pause ist der Toledo zurück. Seat präsentiert mit der Kompaktklassenlimousine den Zwillingsbruder des Skoda Rapid.

(Foto: SOM)

Doch zunächst ist die Limousine Toledo dran, die nächstes Frühjahr auf den Markt kommt. Preislich will Seat bei etwa 13.000 Euro starten. Das ist günstig und nicht mehr, als auch Škoda für den Rapid verlangt. Beide Modelle sind Konstrukte aus dem Konzernbaukasten, wurden zusammen entwickelt, sehen ähnlich aus und rollen in Mlada Boleslav in Tschechien sogar vom selben Band. Nach dem Mii ist der Toledo damit Seats zweites Modell, das nicht mehr in Spanien gefertigt wird.

Rückkehr zur Stufenhecklimousine

Mit 4,48 Meter Länge übertrifft der Toledo seinen etwas buckligen, 2009 eingestellten Vorgänger nur um wenige Zentimeter. Dabei kehrt man zurück zur klassischen Stufenhecklimousine, zumindest optisch. Was aussieht wie ein konventioneller Kofferraumdeckel ist aber in Wirklichkeit eine große Klappe, die bis ins Dach hinein reicht. Dahinter verbirgt sich ein für diese Klasse gigantischer Kofferraum: Seat gibt 550 Liter an, mindestens. Wie heute bei Limousinen fast durchweg üblich können auch beim Toledo die Rücksitzlehnen nach vorne geklappt werden.

Damit steigt der Nutzwert noch einmal beträchtlich, in Litern ausgedrückt um ziemlich genau 940. Reichlich Platz gibt es auch im Fond, die Beine genießen aufgrund des langen Radstands von 2,60 Meter kaum weniger Freiheit als in einem Oberklasseauto. Eine Reihe weiter vorn ist man unterdessen in der VW-Welt angekommen. Das Cockpit präsentiert sich klar und funktionell, die Bedienung ist so einfach wie im Polo oder Golf, die Oberflächen sind zwar nicht Premium, wirken aber deshalb noch lange nicht billig.

Vier Benziner und ein Diesel zum Marktstart

Zum Markstart kann der Toledo-Käufer zunächst unter vier Benzinern (75 bis 122 PS) und einem Diesel wählen, alles bekannte Aggregate aus Wolfsburg. Den Selbstzünder mit 105 PS wählten wir für eine erste Testfahrt. Der 1,6-Liter-TDI, inzwischen in fast allen Konzern-Modellen unterwegs, verrichtet seine Arbeit unauffällig, läuft ruhig, braucht jedoch stets knapp 2000 Kurbelwellenumdrehungen, um wirklich in die Hufe zu kommen. Heißt: Wer mit unter 30 km/h im dritten Gang in eine Seitenstraße abbiegt, sollte tunlichst herunterschalten.

4,4 Liter Verbrauch gibt Seat an, die optimierte gleichstarke Ökoversion Ecomotive soll sogar 3,9 Liter schaffen. Im Golf ist der Motor in der Normalversion kaum unter sechs Liter zu fahren. Lenkung und Fahrwerk sind tadellos, spurtreu zieht der Toledo seine Bahn, die Federung ist recht straff, aber dennoch nicht unkomfortabel. Wer's sportlich mag, bekommt einen Turbo-Vierzylinder 1.4 TSI mit 122 PS samt Doppelkupplungsgetriebe. Damit kann er dann mit 206 km/h über die Autobahn hetzen, wenn er unbedingt mag .

Drei Ausstattungslinien sind für den Toledo zu haben, wirklich wohnlich wird es erst mit der Top-Ausstattung Style. Dass man aber auch hier die Klimaanlage extra bezahlen muss, erstaunt dann doch.