Nach Diesel-Urteil Diese Marken sind besonders stark von Fahrverboten bedroht

Seit Dienstag drohen Diesel-Fahrverbote. Die Autos bestimmter Marken sind davon besonders bedroht.

(Foto: dpa)

Sie fahren einen Toyota-Diesel? Oder einen von Ford? Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bald nicht mehr in bestimmte Innenstädte kommen, besonders groß. Ein Überblick in Grafiken.

Von Alexander Kauschanski

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Dienstag könnte für Millionen deutscher Autofahrer weitreichende Folgen haben: Um die Luftqualität zu verbessern, dürfen Städte von nun an Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhängen. Sie drohen vor allem in Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und München, aber auch in gut einem Dutzend anderer Kommunen, deren Luft hohe Stickoxidwerte aufzeigt.

Etwa ein Drittel aller in Deutschland registrierter Autos fährt mit Dieselkraftstoff. Allerdings: Nur etwa 18 Prozent dieser Fahrzeuge erfüllen die seit September 2015 gültige Euro-6-Abgasnorm; nur sie wären vor Fahrverboten gefeit. Die Norm legt fest, dass Dieselfahrzeuge maximal 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Fast alle anderen Diesel-Pkw erfüllen lediglich bestenfalls die Euro-5-Norm, die einen Stickoxidausstoß von 180 Milligramm pro Kilometer erlaubt. Dabei geht es um insgesamt etwa zwölf Millionen Autos. Fahrer solcher Modelle könnten also bald nicht mehr in die Innenstädte einiger luftverschmutzter Kommunen fahren.

Die Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamts geben Aufschluss, Fahrer welcher Marken besonders von Fahrverboten bedroht sind. In absoluten Zahlen gerechnet sind das - wenig überraschend - jene der hierzulande sehr absatzstarken deutschen Marken. Allen voran Volkswagen. Auffällig: Innerhalb des Bestandes an Ford-Dieseln existieren verhältnismäßig wenig Euro-6-Autos.

Blickt man auf die Anteile innerhalb des Dieselbestandes einzelner Marken, ergibt sich ein anderes Bild. Von allen Dieselautos der Marke Toyota erfüllen nur fünf Prozent die Euro-6-Abgasnorm. Allerdings muss man einordnend hinzufügen, dass die japanische Hybridmarke vergleichsweise wenig Dieselautos in Deutschland verkauft. Die, die es gibt, sind tendenziell älteren Baujahrs als bei anderen Herstellern und deshalb noch nach früheren Abgasnormen zertifiziert. Generell ist der Euro-6-Anteil bei den eher günstigen Volumenmarken geringer als bei den hochpreisigen Marken wie Volvo, Mercedes, Audi und BMW. Bemerkenswerte Ausnahmen sind die asiatischen Hersteller Hyundai und Mazda.

Berücksichtigen muss man bei all diesen Statistiken und Grafiken, dass sie sich auf den Fahrzeugbestand am 1. Januar 2017 beziehen. Aktuellere Daten kann das Kraftfahrt-Bundesamt bislang nicht liefern. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich ein etwas anderes Bild ergibt, sobald die Zulassungsstatistik 2017 einberechnet wird. Zwischen Januar und Dezember vergangenen Jahres wurden gut 1,3 Millionen Dieselfahrzeuge mit Euro-6-Norm neu zugelassen. Das heißt, derzeit fahren auf deutschen Straßen etwa vier Millionen Euro-6-Diesel, die nicht von Fahrverboten bedroht wären. Wie groß deren Anteil an allen aktuell zugelassenen Diesel-Pkw ist, lässt sich leider erst dann sagen, wenn klar ist, wie viele ältere Diesel dafür abgemeldet wurden.

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