Mitsubishi-Sammler Autos sammeln an der Grenze zur Besessenheit

Tilo und Anja Macht vor ihrem Mitsubishi-Autohaus in Eckental bei Nürnberg.

(Foto: Tilo und Anja Macht)

Anja und Tilo Macht horten im fränkischen Eckental unzählige Autos. Aber nicht etwa VW Käfer oder wertvolle Modelle von Mercedes. Nein, ihr Herz gehört alten Mitsubishis.

Reportage von Felix Reek

Von außen sieht das Grundstück von Tilo Macht wie ein ganz normales Autohaus aus. Nebeneinander aufgereiht parken etwa ein Dutzend Mitsubishis und Subarus vor dem Gebäude in der Kleinstadt Eckental bei Nürnberg. Einige Autos haben eine Rallyelackierung, dazwischen stehen ein paar Straßenfahrzeuge und ein Geländewagen mit mächtigen Reifen. Auch der Empfangsraum ist unspektakulär. Viel Holz, ein Kühlschrank, der aussieht wie eine Zapfsäule, ein Tisch mit zwei Stühlen, an dem wortlos zwei ältere Männer sitzen.

"Dann zeig' ich es Ihnen mal", sagt Macht und öffnet eine Tür an der Rückseite des Geländes. "Hier ist unser Erlebnispark." Im "Erlebnispark" ist es erst mal ziemlich dunkel. Als sich die Augen an das Schummerlicht gewöhnt haben, stehen überall Autos. So eng aneinander geparkt, als habe jemand Tetris auf Level 30 gespielt. Manche von ihnen sind von einer dicken Staubschicht überzogen, andere glänzen, als kämen sie gerade vom Band. Auf einer Motorhaube und einem Tisch türmen sich Einzelteile.

Sieht aus wie ein Käfer, ist aber ein Neuwagen

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Er konnte nicht anders, als Mitsubishi zu verfallen

Seit 16 Jahren sammelt Macht Mitsubishis. Sogar für Autonarren eine ungewöhnliche Wahl. Die japanische Firma ist selbst in ihrer Heimat eine Nischenmarke. In Deutschland liegt der Marktanteil bei etwas mehr als einem Prozent. "Ich bin mit den Autos aufgewachsen", sagt Macht und geht weiter in die zweite Halle der ehemaligen Holzfabrik, die noch größer ist, in der noch mehr Autos stehen. Schon seine Eltern verkauften die Modelle der japanischen Marke. Macht konnte wohl nicht anders, als den Mitsubishis zu verfallen.

Das würde vielleicht ein, zwei oder drei Autos erklären. Doch Tilo Macht und seine Frau Anja besitzen mittlerweile 140 Exemplare. Die meisten davon sind, natürlich, Mitsubishis. Hinzu kommen eine Handvoll Subarus und ein mausgrauer Saab 92b de Luxe aus dem Jahr 1954.

Mit einem Unfall fing alles an

"2000 hatte ich einen größeren Unfall", erklärt der gelernte Kfz-Mechaniker den Beginn seiner Sammelleidenschaft. Totalschaden. Seine Freunde zogen ihn auf: "Den kriegst du nie wieder hin!" Macht fühlte sich in seinem Ehrgeiz gepackt - und restaurierte den Mitsubishi. "Der war mir dann aber zu schad' zum Fahrn", erzählt er in breitem Fränkisch und grinst. Das Auto blieb stehen und er kaufte einen anderen. Auch der war ihm "zu schad' zum Fahrn" war. Macht lernte seine Frau kennen, die "genauso verrückt auf Mitsubishis" ist und es gab kein Halten mehr.

Innerhalb weniger Jahre erstanden die beiden Autos aus aller Welt. Einen rechtsgelenkten Lancer 1800 GSR Turbo mit gerade einmal 8000 Kilometern auf dem Tacho zum Beispiel, der aus dem Mitsubishi-Museum in Japan stammt. Ein Galant Coupé aus Schottland, Baujahr 1976, das einmalig in Deutschland ist. Ein Mitsubishi J55, ein Lizenzbau des amerikanischen Jeep CJ 7, äußerst selten in Europa. Schmuckstück der Sammlung ist ein babyblauer Colt 1000 aus dem Jahr 1967, komplett im Originalzustand, den Anja Macht aus Australien importierte. Zehn gibt es davon heute noch weltweit, sein Wert liegt bei etwa 30 000 Euro. Der ehemalige Besitzer schreibt die Machts monatlich an, weil er das Auto zurück haben will.