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VW Käfer von Memminger:Sieht aus wie ein Käfer, ist aber ein Neuwagen

Memminger VW Käfer 1303 Cabrio

100 PS, ABS-Bremse, Sportfahrwerk: Das VW Käfer 1303 Cabrio von Memminger ist schnell, dynamisch - und richtig teuer.

(Foto: Memminger Feine Cabrios & Stahlbau GmbH)

ABS-Bremse, bis zu 185 PS, wenig Verbrauch: Die Firma Memminger restauriert den VW so, dass er mit dem Original nur noch wenig zu tun hat. Das Fahren macht Spaß - ist aber anders als in einem Oldtimer.

"Na los, geben S' Gass", fordert die Stimme des Beifahrers im bayerischen Dialekt. "Des schafft der scho'!" Tatsächlich nimmt der Käfer die Kurve locker im führerscheingefährdenden Tempo. Die nächste auch. Die danach ebenfalls. Andere Exemplare hätten dabei zweifellos mehr Mühe gehabt, wären vielleicht vom Asphaltband gesegelt mit ihrer Pendel- oder Schräglenker-Hinterachse. Dieser Käfer hier hält stoisch die Linie, lenkt präzise ein, zuckt nicht mit dem Heck. Was nicht verwundert: Hinter den 15-Zoll-Alufelgen steckt ein modernes Sportfahrwerk. Georg Memminger, 66, weiß, was dieses Auto kann. Der Journalist am Steuer staunt.

Memmingers Hallen in Reichertshofen, auf halber Strecke von München nach Ingolstadt gelegen, verlassen im Jahr zwischen zehn und 15 vollrestaurierte Käfer, darunter 80 Prozent Cabrios. Viele wurden woanders schon einmal restauriert, und seine Mitarbeiter müssen ausmerzen, was dabei verschlampt wurde. "Einige unserer Kunden haben zuvor Enttäuschungen erlebt. Die suchen Qualität bei uns", ergänzt Memmingers 31-jähriger Sohn, der ebenfalls Georg heißt.

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Fast alle Teile sind neu

Das Vater-Sohn-Gespann ist sich einig: Ihre Käfer müssen perfekt sein. "Wenn sie uns verlassen, sollen sie 35 Jahre halten. Mindestens", sagt der Senior. Deshalb bauen die Mechaniker, an deren Spitze Memminger junior steht, die Autos in sechs bis acht Monaten völlig neu auf. Manchmal lassen sich noch Teile des Vorderwagens samt Windschutzscheibenrahmen verwenden, mit viel Glück auch das Heck. Oft ist aber das komplette Auto vom Rost befallen, und es bleibt nur der Mittelträger als Basis für eine Restauration übrig. Der ist allerdings notwendig, hier ist die Fahrgestellnummer eingestanzt. Sie ist die Voraussetzung, dass ein Memminger-Käfer seinen Oldtimerstatus behält und für ein H-Kennzeichen infrage kommt.

Fahrwerk und Räder sind nicht die einzigen Teile, die anders sind als früher. Auf Wunsch bremst der Käfer mit innenbelüfteten Scheiben und ABS. Die hinteren Passagiere nehmen auf Sitzen mit Federkern und Dreipunktgurten Platz. Auf Wunsch gibt es eine Servolenkung, Bi-Xenon-Scheinwerfer und neue Lautsprecher. Rost ist dank neuer Karosserieteile aus verzinktem Stahlblech kein Thema mehr. Die Türen haben nun besser geschmierte Scharniere und Seitenaufprallschutz.

Die Motoren haben bis zu 185 PS

Fast all diese Teile lässt Memminger nach eigenen Vorgaben von Prototypenherstellern fertigen, die nötigen Pressen und Werkzeuge hat er teils selbst entwickelt. "Unseren Qualitätsstandard sichern wir nur, wenn wir alles selbst machen", sagt Memminger.

Auch die Boxer im Heck haben kaum noch etwas mit ihren Vorbildern gemeinsam. Am nächsten kommt dem Original noch der 50 PS starke Vergasermotor. Eine komplette Neuentwicklung - wenn auch nach historischem Vorbild - ist der sogenannte Typ-4-Motor mit 185 PS. Das Einspritzer-Triebwerk leistete im VW 411 / 412 einst 80 PS und kam auch im VW-Porsche 914 zum Einsatz, dort mit 100 PS. Jetzt hat der Vierzylinder ein neues Gehäuse, der Hubraum ist von 1,7 auf 2,7 Liter gewachsen, das Innenleben und die Peripherie des Triebwerks sind absolut up to date.