Manipulation beim ADAC Preis der Willkür

Die Auswertung der Zahlen zum ADAC-Preis "Gelber Engel" haben ergeben: Der angebliche "Publikumspreis" wurde mindestens seit 2009 nach Gutdünken vergeben. Dabei verfolgte der Club ein bestimmtes Ziel - und ließ einen Autohersteller besonders profitieren.

Von Thomas Harloff

Die Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" war ursprünglich als Publikumspreis gedacht - und als solcher wurde er in der Öffentlichkeit verkauft. Stattdessen war diese Kategorie des Autopreises "Gelber Engel" ein Preis der ADAC-Willkür.

Was die Süddeutsche Zeitung schon für das Jahr 2014 berichtet hatte, musste der ADAC heute auch für die Vorjahre bestätigen. Die Rangliste wurde seit 2009 fast jedes Jahr manipuliert. Die noch weiter zurückliegenden Wahlen waren möglicherweise auch nicht sauber, doch hierfür fehlten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte die Daten.

Nur in einem Jahr, 2013, passten die Top Five des Publikums ins Konzept des ADAC - sie blieben unverändert. Besonders auffällig ist hingegen das Jahr 2010, denn hier gab es einen völlig neuen Gesamtsieger. Statt des vom Publikum auf Rang eins gewählten Audi A5 Cabrio landete die Mercedes E-Klasse auf dem ersten Platz, obwohl letztere eigentlich nur Vierte geworden war. Mit diesem Platz musste schließlich der eigentliche Gewinner aus Ingolstadt vorliebnehmen.

Vielfalt statt Volkswagen

Auch im Jahr zuvor bekam ein Mercedes ein wenig Starthilfe. Vom Publikum zuvor nur auf Platz neun gewählt, durfte der SLK-Roadster dank ADAC den dritten Rang einnehmen. Rang zwei ging schließlich an den Opel Insignia, der eigentlich nur Sechster wurde. Damit hat der Autoclub ein komplettes VW-Podium verhindert, denn ursprünglich gewann 2009 der Golf, der seinen Sieg behalten durfte, vor dem Passat CC und dem Scirocco die Leserwahl. Den größten Sprung überhaupt machte zwischen 2009 und 2013 der VW Up, der 2012 vom zwölften auf den fünften Platz bugsiert wurde.

Hinter den Manipulationen steckt System. Auffällig ist, dass in den veränderten Ranglisten auf den Podiumsplätzen nie eine Marke doppelt vertreten ist. Dabei wäre das in der von den Lesern der ADAC Motorwelt bestimmten Rangfolge durchaus der Fall gewesen: 2012 kam der Audi Q3 vor dem Audi A6 und dem Mercedes SLK ins Ziel. 2011 siegte der BMW 5er vor dem Mercedes CLS und dem Mercedes E-Klasse Cabrio. 2009 hätte eben VW einen Dreifachsieg davongetragen. Das passt zur ADAC-Rechtfertigung, man habe eine größere Markenvielfalt erreichen wollen.

Neue Autos nach vorne

Zudem hat es den Anschein, als seien neue Autos bevorzugt worden. Jene Modelle, die besonders von den Schummeleien profitiert haben, sind erst im Vorjahr der jeweiligen Preisverleihung vorgestellt oder grundlegend modellgepflegt worden.

Ob auch vor 2009 manipuliert wurde, lässt sich laut ADAC und Deloitte heute nicht mehr nachvollziehen. Es fehle eine ausreichende Datengrundlage, "um valide Ergebnisse gewährleisten zu können", so die Prüfer, die vom ADAC mit der Analyse der "Gelber Engel"-Ergebnisse beauftragte wurde. "Für sämtliche Jahre, die wir auswerten konnten, können wir eindeutig belegen, dass sowohl die Teilnehmerzahlen als auch die Stimmergebnisse bei der Wahl zum 'Lieblingsauto' des 'Gelben Engels' umfangreich manipuliert wurden", sagt Frank Marzluf von Deloitte. Es seien insgesamt 69 000 Dateien wiederhergestellt, aufbereitet und systematisch ausgewertet sowie 28 Interviews geführt worden, um das korrekte Ergebnis zu ermitteln.

ADAC prüft rechtliche Schritte gegen Ramstetter

Bei Bekanntgabe dieser Manipulationen am Montag blieben ADAC und Deloitte bei ihrer Einzeltäter-Theorie. "Die Ergebnisse lassen vermuten, dass einzelne Personen offenbar bereits seit Jahren bei der Preisverleihung die Hersteller und die Öffentlichkeit systematisch getäuscht haben", sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Zudem untersucht Deloitte noch die Ergebnisse in den anderen Kategorien, in denen der "Gelbe Engel" seit 2005 verliehen worden ist. Diese Ergebnisse sollen Anfang kommender Woche bekanntgegeben werden. Zudem bereitet der ADAC rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommmunikationschef Michael Ramstetter vor.

Die Autohersteller haben bereits die Konsequenzen aus den Manipulationen gezogen und geben ihre ADAC-Preise nun zurück. Ein BMW-Sprecher kündigte der Bild am Sonntag die Rückgabe von zehn Auszeichnungen an, Volkswagen will sogar 19 erste Preise und weitere Auszeichnungen retour gehen lassen. Gleiches gilt für Daimler: "Wir werden die Preise definitiv zurückgeben, denn sie haben nun an Wert verloren", sagt eine Sprecherin.