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Die Krise des ADAC:Whistleblower, bitte melden!

ADAC Scandal Gains Momentum

ADAC-Logo in einer Berliner Filiale: Das Publikum kommt derzeit mit dem Zählen der Skandale und Skandälchen kaum noch nach.

(Foto: Getty Images)

Der ADAC will sich erneuern - und fordert seine Mitglieder auf, Missstände auf einer externen Website zu melden. Allerdings: Die Offenheit des Vereins hat ihre Grenzen, wie das zweifelhafte Geschäft mit Provisionen zeigt.

In manchen Unternehmen gibt es die Kultur des Wegsehens, in andern herrscht die Kultur der unanständigen Gewinnmaximierung, und vielerorts gilt die Kultur der organisierten Verantwortungslosigkeit.

Selten kommen alle Kulturen in einem Haus zusammen. Beim ADAC scheint es genau so zu sein.

Das Publikum kommt in diesen Tagen mit dem Zählen der Skandale und Skandälchen kaum noch nach. Jeder Schlag ins Kontor zieht einen anderen nach sich: Das Frisieren von Zahlen, die Mauscheleien bei Tests, die Schiebereien bei Statistiken, die kleine Bereicherung durch den Verkauf von Batterien - wohin man schaut, es ging wirklich nicht nach den Regeln des anständigen Kaufmanns zu.

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Es wurde abgegriffen, abgezockt, mitgenommen. Und das alles wurde auch noch als Samaritertum ausgegeben. Die anständigen gelben Engel verstellten den Blick auf ein moralisch kaputtes System. Ins Haus wurden jetzt Spezialisten für Krisenkommunikation geholt, und die sind immer noch bei der Bestandsaufnahme. Die Staatsanwaltschaft überlegt, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten soll.

Reformen und ein Zehn-Punkte-Plan

Aber bald soll in dem Pannenverein alles ganz anders werden. Der Automobilklub legte am Freitag einen "Zehn-Punkte-Plan zur Erneuerung des ADAC" vor. Als "tiefgreifender Reformprozess" wird der Plan angekündigt. Ziel: die "Erneuerung des ADAC", Beseitigung "der Missstände" und die Verwandlung in eine "transparente und zeitgemäße Organisation".

Das heißt übersetzt: Der ADAC, der fast 19 Millionen Mitglieder hat und sich als Macht im Staate fühlte und (merkwürdigerweise ) auch so gesehen wurde, ist ziemlich am Ende. "Wir müssen alles Etablierte auf den Prüfstand stellen und Strukturen, Abläufe, Regeln und auch unsere bisherige Kultur kritisch hinterfragen" gibt ADAC-Präsident Peter Meyer das Ziel vor.

Die zehn Themenbereiche des Reformprogramms beginnen mit den Begriffen "Selbstverständnis und Leitlinien" und enden mit "Sofortmaßnahmen". Dazwischen sollen Produkte, Studien, Tests und Auszeichnungen, Strukturen und Rechtsformen, Führung und Mitarbeiter reformiert werden. Die Programmorganisation soll verändert und der Beirat erneuert werden. Alles von vorn. Die gelben Engel sollen keine Prämien mehr für den Verkauf von Batterien erhalten, und die Oberen sollen nicht mehr ihre Diensttouren im ADAC-Rettungshubschrauber absolvieren. Mit dem Auto oder dem Zug geht es auch. Das machen die meisten Bürger so.

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ADAC-Mitglieder sollen bei der großen Veränderung auch mitmachen: Auf einer externen Website sollen sie - auch anonym - auf konkrete Missstände hinweisen können. Whistleblower, bitte melden, der ADAC braucht euch dringend!

Ein zentraler Punkt des Reformprogramms ist natürlich die Compliance, nach der immer dann gerufen wird, wenn alles den Bach runterzugehen droht. Die Kanzlei Freshfields soll die Compliance-Strukturen der ADAC-Zentrale und der 18 Regionalklubs überarbeiten. Es soll einen Chief Compliance Officer geben.

Mit einer neuen Compliance haben schon viele Unternehmen, die gestrandet waren, einen Neuanfang gesucht: Siemens etablierte nach dem großen Korruptionsfall eine neue Compliance-Struktur, Thyssen-Krupp, Ferrostaal, Daimler und viele andere Unternehmen setzten nach Krisen neue Compliance-Maßstäbe.

Der Begriff wird in der Wirtschaftswelt inflationär verwendet und meint eigentlich eine ganz einfache Sache. Ein Verein, ein Unternehmen braucht ein Geländer, das Halt gibt. Das Geschäftsgebaren soll nicht nur mit Gesetzen, sondern auch mit den gesellschaftlichen Wertvorstellungen und denen des Vereins übereinstimmen.