Gelände-Lkw Der Unimog braucht neue Kunden

Man sieht ihn nur noch selten im Dienst des Militärs oder der Kommunen, dafür immer öfter als Extrem-Wohnmobil: den Unimog von Mercedes.

(Foto: Daimler AG)
  • Seit 1946 gibt es den Unimog. In diesen 71 Jahren wurden mehr als 350 000 Exemplare des "Universal-Motor-Geräts" verkauft.
  • Doch weil die Nachfrage von Armeen und Kommunen nachlässt, muss sich Hersteller Mercedes-Benz nach neuen Kundengruppen umschauen.
  • Der Unimog wird nun verstärkt als Extrem-Reisemobil und im Katastropehnschutz eingesetzt.
Von Marco Völklein

Obwohl die Männer in ihren orangefarbenen Latzhosen eigentlich wissen, was die Maschine kann, sind sie dennoch beeindruckt. "Wow", sagt einer und nippt an seinem Cola-Mix, "der schafft ordentlich was weg." Auf der Freifläche vor ihm hat ein Mitarbeiter der Firma Dücker aus Stadtlohn gerade einen Unimog U 427 abgestellt, den Frontanbauhacker heruntergeklappt - nun häckselt er ganze Baumstämme in kleinste Stückchen. In weitem Bogen landen die Schnitzel auf dem Asphalt. Dort aber bleiben sie nicht lange liegen: Ein anderer Unimog, ein U 530 mit einem Frässchleuder-Aufbau der Firma Aebi Schmidt, greift sich die Hackschnitzel und schleudert sie ein paar Meter weiter.

Es ist die große Leistungsschau des Allzweckfahrzeugs, zu der Mercedes-Benz nach Poing bei München eingeladen hat. An zehn Orten in Deutschland und Tschechien macht die "Unimog-Tour 2017" Station. Alle zwei bis drei Jahre lädt die Spezial-Lkw-Sparte von Daimler potenzielle Käufer aus Kommunen, der Land- und Forstwirtschaft, der Energiebranche, dem Bergbau oder dem Katastrophenschutz zu der Tour und will zeigen, was der Unimog so kann.

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Mehr als 350 000 Exemplare des "Universal-Motor-Geräts" (daher stammt das Akronym) wurden seit dem Produktionsstart im Jahr 1946 verkauft. Und wenn es nach Michel Dicke geht, dann kann das so weitergehen. Allerdings müssen Regionalleiter Dicke und die Unimog-Entwickler das Vielzweckarbeitsgerät immer wieder dem Zeitgeist anpassen. In den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren lieferte die Unimog-Abteilung den Großteil ihrer Produktion ans Militär. Mit dem Ende des Kalten Krieges ging die Nachfrage vieler Armeen teils deutlich zurück, heute verkauft Daimler etwa 70 Prozent seiner Unimogs an Kommunen, Landes- und Bundesstellen, sagt Dicke.

Im Angebot sind zwei Baureihen: einmal der "Geräteträger". Mit dem mähen Arbeiter Fahrbahnränder, verdichten Bankette, säubern Leitpfosten, schieben im Winter den Schnee beiseite und bringen Tausalz aus. "Wichtig ist", sagt Dicke, dass das Auto "das ganze Jahr über mit den verschiedensten Arbeiten ausgelastet werden kann". Spezialfirmen haben mehr als Tausend Anbaugeräte entwickelt, vom Leitpfostenausmäher bis zur Baumverpflanzungsmaschine. Daneben gibt es den geländegängigen Unimog mit Allradantrieb, Portalachsen und großem Böschungswinkel für den extremen Offroad-Einsatz.

"Anschaffung und Unterhalt sprengen unser Budget"

Weil unter anderem die Winter in den vergangenen Jahren nicht mehr ganz so hart waren und die öffentliche Hand aufs Geld schaut, suchen die Unimog-Leute nun neue Kundengruppen. Zudem drängen auch Hersteller "normaler" Lkw und Traktoren ins Geschäft mit den Städten. Genaue Zahlen zu Produktion oder Absatz nennt Daimler nicht. Verstärkt nachgefragt werde der Unimog aber unter anderem von Reisemobilherstellern, die ihn zum Spezialfahrzeug für Weltenbummler aufrüsten, sagt Dicke. Und seit vermehrt Hochwasserkatastrophen und Flächenbrände auftreten, würden auch Feuerwehren und Rettungsorganisationen wieder erkennen, wie nützlich ein Offroad-Truck mit bis zu 1,20 Meter Wattiefe sein kann.

Zuletzt hatte Mercedes zu Testzwecken einen U 4000 mit Doppelkabine und Ladepritsche der Bergwacht im Schwarzwald zur Verfügung gestellt. Damit konnten die Retter auf Anhieb mehr Personal und Material an die Einsatzstelle schaffen als mit kleineren Autos. Der Unimog habe sich "in jeder Hinsicht bewährt", sagt David Hierholzer von der Bergwacht. Kaufen wird er in naher Zukunft dennoch keinen. "Anschaffung und Unterhalt sprengen leider unser Budget." Je nach Ausstattung und Art der Spezialanbauten kostet so ein Allrad-Laster locker zwischen 100 000 und 300 000 Euro.

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