Fiat 500X Ein Auto für alle Fälle

Der Fiat 500X ist in den Ausstattungsvarianten Cross (im Bild) und Cross Plus mehr auf Geländewagen getrimmt als auf Stadtauto.

(Foto: dpa-tmn)

Der Fiat 500 war ein Minimalist wie die Pizza Margherita: wenig dran, aber nahrhaft im Sinne von fahr- und bezahlbar. Der 500X trägt nur noch den gleichen Namen und provoziert die Frage, wie viel Auto wirklich nötig ist für ein einfaches Leben.

Von Oskar Weber

F wie Fortschritt oder Feingeist. Oder F wie Fiat oder Fünfhundert oder Faktor X. Oder wie Faxen - ja, das auch. Die Welt geht aus den Fugen, und der Konsum quillt mit und also auch das Automobil. Diese Erkenntnis ist nicht gerade eine Neuigkeit, aber in ihrer scheinbaren Alternativlosigkeit immer wieder von atemberaubender Konsequenz. Und sie führt uns geradewegs zu jener dünnblechernen Klein-aber-fein-Ikone, die Italien nach dem letzten Krieg bewies, dass eine zivile Mobilmachung die bessere Wahl ist. F wie Frieden.

Ursprünglich war der Fiat 500 ein Minimalist wie die Pizza Margherita: wenig drin und dran, aber nahrhaft im Sinne von fahr- und bezahlbar. Und dabei auf jene raffinierte Weise delikat, die für alle Zeiten die Einfachheit adeln wird - leichte Kost ohne Geschmacksverstärker, erntefrisch am Baum, aus dem Backofen oder eben am Fließband um die Ecke gepflückt. Hunger ist der beste Koch. Wer sich auf den Weg machen will, braucht auch keine 100 PS.

Doch die Zeit und die Welt sind inzwischen komplexer als das einfache Leben. Das Marketing ist im Zeitalter des Vollgaskonsums wichtiger als das Engineering, und am Point of Sales ist die Philosophie nur ein noch fremdes Wort aus ferner Zeit. Alles besser damals? Unsinn, niemand will zurück zu den Wurzeln. Aber wenigstens die Frage muss erlaubt sein, ob - und wenn ja, wie viel - Ananas aufs heiße Käsebrot passt.

Unrasierter Freigeist

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Die Neuauflage des Fiat 500 ist nämlich Pizza Hawaii, und das gilt für das 2007 vorgestellte Basisauto und erst recht für die seitdem in den Markt geschobenen Modellableger. Dem jetzt vorgestellten 500X zum Beispiel ist vom genetischen Code des Großväterchens mit dem positiven Sturz an der Hinterachse tatsächlich nur die Namensziffer geblieben.

Fast könnte man mit dem Alten unter dem Neuen durchfahren

Der Zwerg kreißte und gebar einen Apparat von Automobil. Rund 4,30 Meter lang, 1,80 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist der Crossover-Fiat mit dem Typenschild 500. Die Bodenfreiheit misst 179 Millimetern, fast könnte man mit dem Alten unter dem Neuen durchfahren. Ordert der Kunde den optionalen elektronischen Allradantrieb, kraxelt sein Auto auch unwegsames Gelände hinauf und wieder hinab - aber in voller Ausrüstung wiegt der blecherne Bergbub schon 1600 Kilo.

So viel Masse braucht Muskeln im Antriebsstrang. Otto- und Dieselmotoren mit einem Leistungsangebot von 120 bis 140 PS bringen das Auto in Schwung, sortiert von den Räder- und Wandlerwerken der Hightech-Getriebeneuzeit: Sechsganghandschalter oder Neunstufenvollautomat, ein Doppelkupplungsgetriebe ist in Vorbereitung. Schöne neue Fiat-500-Welt.

Die Normverbräuche sind günstig (kombiniert zwischen 4,1 und 6,0 Liter), die CO₂-Emissionen (109 bis 144 g/100 km) aber noch weit entfernt vom fest fixierten 95-Gramm-Zielwert des Jahres 2020. Ein Plug-in-Hybrid-Antrieb wird voraussichtlich 2017 angeboten, das nahezu komplette Assistenz- und Infotainment gibt es jetzt schon: Auffahrwarnsystem, Spurhalte- und Totwinkelassistent, adaptiver Geschwindigkeits- und Fernlichtassistent, Überschlagschutz, und und und.

Zu viel für einen Fiat 500? Nein, denn das ist ja kein Fiat 500. Er heißt nur so. Der Fiat X mit der Ziffer 500 ist ein sehr erwachsenes Kompaktauto mit viel Platz hinter den vier Türen, einem variablen Gepäckabteil (350 bis 1000 Liter Fassungsvermögen), konkurrenzfähigen Fahrleistungen sowie talentiertem Vermögen diesseits und jenseits asphaltierter Pisten. Der 500X teilt Konzept und Technik mit dem Jeep Renegade, und wie der Konzernbruder aus dem Geländewagen-Stall ist auch der große kleine Fiat auf alle Fälle ein Auto für alle Fälle. Markstart: Februar 2015. Preise: von 17 000 Euro an.