Einstieg in die Elektromobilität Deutsche Autobauer spielen auf Zeit

Fuchs und Hase: Französische und japanische Autobauer haben bei Elektroautos die Nase vorn. Die deutschen Hersteller warten erst einmal ab. Sie spielen auf Zeit. Ihr Kalkül: Elektromobilität im großen Stil ist ein Thema von übermorgen.

Von Thomas Fromm

Wer in den vergangenen zwei, drei Jahren über Automessen lief, wunderte sich. Waren das noch die Shows der alten, stinkigen Autobranche? Oder waren all diese Wohlfühl-Lounges, japanischen Naturimpressionen und Elektroauto-Visionen auf Computerwänden schon die Vorboten einer neuen, grünen Mobilität? Irgendwie fühlte sich das alles ganz gut an. Aber es waren doch vor allem nicht mehr als: Visionen.

Heile Scheinwelt der Elektromobilität auf der internationalen Messe für Elektromobilität "eCarTec" in München, 2012.

(Foto: Catherina Hess)

Detroit in diesen Tagen: Wieder eine Automesse, Elektroautos stehen diesmal in der dritten Reihe. Keine grünen Visionen mehr, dafür fette Acht-Zylinder-Motoren und eine Menge Luxus. Bei weißen Sitzen aus Nappaleder und 450 PS weiß man, was man hat. Bei Elektroautos weiß man das nicht.

Die Elektromobilität wird kommen

Man muss nicht gleich den Tod des Elektroautos proklamieren, wie dies einige Branchenexperten tun. Die Elektromobilität wird kommen. Allein schon, weil den Menschen auf kurz oder lang das Öl ausgeht. Nur: Pläne wie die der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben auf die hiesigen Straßen zu bekommen, kann man wohl erst einmal abhaken.

Es ist nicht wie früher - ein Auto, ein Tank, eine Tankstelle. Die Dinge sind diesmal komplexer. Experten meinen: Da es keine flächendeckende Auflade-Infrastruktur für die Batterien der Elektroautos gibt, werden auch keine Elektroautos verkauft. Und da keine verkauft werden, wird auch nicht in die Infrastruktur investiert. Also würde es genügen, wenn eine Seite anfängt, zu investieren. Ob es aber reicht, Europa mit einem Stromtankstellennetz zu überziehen? Kaum. Denn mit der ständigen Verfügbarkeit von Energie wäre nur eines der Probleme gelöst. Andere wären noch immer da.

Es fängt schon mit dem Strom an. Kommt er aus regenerativen Energie-Quellen? Nur dann wären E-Autos auch wirklich CO2-neutral. Kommt die Energie für Elektroautos aber zum größten Teil aus Kohlekraftwerken wie in China, wäre die Geschichte vom sauberen Elektroauto eine Illusion. Die Emissionen würden nur von den Innenstädten in die Vorstädte mit ihren Kraftwerkparks verlagert.

Und, das derzeit triftigste Argument gegen ein Elektroauto: Die Stromer sind wegen ihrer großen Batterien teuer, sehr teuer. Manchmal doppelt so teuer wie ein vergleichbarer Benziner. Und fahren dazu höchstens 150 Kilometer am Stück, bei 130 Km/h mit starkem Gegenwind und aufgedrehter Heizung auch einiges weniger. Wer gibt 30.000 Euro für einen elektrisch angetriebenen Kleinwagen aus, bei dem er Angst haben muss, es nicht einmal vom Mittleren Ring in München bis zum nächstbesten Berg und zurück zu schaffen?