Elektromobilität Autokonzerne planen gemeinsames Ladesäulen-Netz für E-Autos

Ein VW Passat Variant parkt an einer Ladesäule für Elektroautos.

(Foto: dpa)
  • Ein Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Autokonzerne soll der Elektromobilität Schub geben.
  • Von 2017 an wollen BMW, Daimler, VW und Ford an Autobahnen Schnellladesäulen für E-Autos aufstellen.
  • Die Ladezeit soll sich verringern, die Säulen sollen deutlich mehr Leistung haben als jene des Konkurrenten Tesla.
Von Thomas Harloff

Es bewegt sich was bei der Elektromobilität. Nachdem die deutsche Autobranche, offensichtlich auch aufgeschreckt vom Dieselskandal, immer mehr Elektroautos mit immer größeren Reichweiten präsentiert, geht sie nun auch das Problem der mangelhaften Ladesäulen-Infrastruktur an - und zwar gemeinsam. BMW, Daimler, der Volkswagen-Konzern mit Porsche und Audi sowie die Ford Motor Company planen ein Joint Venture, um entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen ein Netz von Schnellladesäulen aufzubauen. Die Arbeiten daran sollen 2017 beginnen.

Das Netz soll entlang von Autobahnen und hoch frequentierten Durchgangsstraßen errichtet werden und öffentlich zugänglich sein. Die Technik soll so weiterentwickelt werden, dass es in Zukunft ähnlich bequem funktioniert wie herkömmliches Tanken. Im ersten Schritt sind europaweit etwa 400 Standorte geplant. Bis 2020 sollen Elektroauto-Fahrer Zugang zu Tausenden dieser Hochleistungsladepunkte haben. Zum Vergleich: Tesla Motors, der kalifornische Anbieter hochpreisiger Oberklasse-Elektroautos, betreibt weltweit derzeit 744 sogenannte Supercharger-Stationen - 260 davon in Europa - mit insgesamt 4700 Ladesäulen.

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Schneller als die Tesla-Ladesäulen

Die geplante Infrastruktur nutzt den Standard "Combined Charging System" (CCS), der sowohl das Laden mit Gleich- als auch mit Wechselstrom ermöglicht und auf dem in Europa weitverbreiteten Typ-2-Anschluss basiert. Die Technologie soll eine Ladeleistung von bis zu 350 Kilowatt unterstützen. Die Leistung übertrifft die der Tesla-Säulen deutlich: Diese Ladegeräte speisen die Batterien der amerikanischen E-Autos mit bis zu 120 Kilowatt. Das reicht dem Hersteller zufolge, um mit einem halbstündigen Ladevorgang genug Strom für eine Reichweite von 270 Kilometern aufzunehmen. Mit den Ladesäulen der Autohersteller-Allianz sollte sich eine Elektroauto-Batterie also deutlich schneller aufladen lassen. Für das Nachladen auf längeren Fahrten solle künftig eine Kaffeepause reichen, sagt der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler.

Die Preise für den von den Ladestationen bereitgestellten Strom stünden noch nicht fest, weil dies noch mit Energieversorgern festgelegt werde müsse, sagte ein Daimler-Sprecher. Es sei aus jetziger Sicht aber eher nicht geplant, den Strom kostenlos abzugeben. Auch Tesla, das den Strom an seinen Superchargern derzeit noch gratis anbietet, will von 2017 an - zumindest von Neukunden - Geld dafür verlangen. Auch der künftiger Preis für diese elektrische Energie steht noch nicht fest.

"Für die Kundenakzeptanz wichtig"

Das Vorhaben läuft parallel zu den Plänen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), 400 Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge an Autobahn-Raststätten aufzustellen. Zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur stellt der Bund 300 Millionen Euro bis 2020 zur Verfügung - davon zwei Drittel für Schnellladesäulen.

Alle an dem Projekt beteiligten Firmen betonen die große Bedeutung eines umfangreichen Schnellladenetzes, damit Elektroautos den von ihren Kunden geforderten Alltagsnutzen bieten. "Eine zuverlässige, ultraschnelle Ladeinfrastruktur ist für die Kundenakzeptanz wichtig und hat das Potenzial, elektrisches Fahren auf die Stufe der Massentauglichkeit zu heben", sagt Mark Fields, Präsident und CEO der Ford Motor Company. Laut Dieter Zetsche, dem Vorstandsvorsitzenden der Daimer AG, erfordere der Durchbruch der E-Mobilität vor allem zwei Dinge: überzeugende Fahrzeuge und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.

Bislang existiert für die Kooperation der Autohersteller allerdings erst eine Absichtserklärung. Das Gemeinschaftsunternehmen ist erst gegründet, sobald der entsprechende Vertrag unterschrieben ist. Auch die Kosten für das Vorhaben, die Form der Gesellschaft und die Art, wie die Ladesäulen betrieben werden, sind derzeit noch offen. Fest steht, dass das Joint Venture für weitere Hersteller offen sein soll. Zusätzlich müssen es die staatlichen Behörden, zum Beispiel das Bundeskartellamt, noch absegnen.

Mit Material der dpa

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