Dethleffs Globebus I 6 GT im Test Festival im Wohnmobil - ist das noch Rock 'n' Roll?

Im Test: der Dethleffs Globebus I 6 GT.

(Foto: Thomas Harloff)

Nach vier Tagen ist klar: Wer im bequemen Bett statt im Zelt schläft, ist erholter und kann vor der Bühne ausgelassener feiern. Er wird aber auch viel Geld los.

Test von Thomas Harloff

Bei aller Liebe für die Musik und das grandiose Gemeinschaftsgefühl, das so ein Festival bietet: Es ist anstrengend. Stundenlanges Stehen, Springen und Tanzen, dazu das exzessive Mitgrölen bei fragwürdiger Ernährung, all das geht an die körperliche Substanz. Dann noch die mentalen Herausforderungen, erst recht bei der diesjährigen Auflage von "Rock am Ring": Wegen Terrorgefährdung fällt das ersehnte Rammstein-Konzert am Freitag aus. Und nach der Evakuierung des Geländes kommt statt des ersehnten Shuttlebusses, der einen zum fünf Kilometer entfernten Campingplatz bringen soll, ein ergiebiger Dauerregen, für den die Eifel bekannt ist. Ein Festival ist also auch immer ein Auf und Ab der Gefühle. Irgendwo zwischen totaler Euphorie und vollkommen durchnässter Kleidung.

Umso schöner ist es, wenn auf dem Campingplatz kein unter Wasser stehendes Zelt wartet, sondern ein ausgewachsenes Wohnmobil: der Globebus I 6 GT von Dethleffs. Das bot unserer fünfköpfigen Rockerbande für vier Nächte ein trockenes Heim. Dabei ist es nur für vier Personen ausgelegt.

Bilder: Mit dem Reisemobil bei Rock am Ring

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Hinten ist die Sache klar. Dort schlafen zwei Personen, nämlich links und rechts in längs angeordneten Einzelbetten. Die sind ausreichend groß und mit bequemen Matratzen ausgestattet. Die drei Anderen müssen irgendwie vorne unterkommen. Das ist deswegen ein Problem, da das 1,85 x 1,50 Meter große Bett, das im Fahrerhaus heruntergeklappt wird, nur für zwei Personen ausgelegt ist. Was also tun? Eine Luftmatratze in den Gang legen? Geht nicht, zu wenig Platz. Kann einer auf der Sitzgruppe schlafen, die sich zentral im Globebus befindet? Wieder: zu wenig Platz. In die geräumige Heckgarage wollen wir den fünften Schrat im Wagen auch nicht verfrachten. Das wäre erstens unfair und zweitens ist dort alles untergebracht, was man so braucht für das Wochenende: Grillzeug, Getränke, Campingstühle, solche Sachen.

Also bleibt nur eine Lösung: Ein Trio muss doch im Klappbett kuscheln. Wie sich im Verlauf des Festivals herausstellt, klappt das ganz gut. Natürlich hilft es, dass alle sich mögen.

Wie auf der heimischen Terrasse

Nachdem geklärt ist, wer wo schläft, ist es an der Zeit für den ersten Grillabend. Also die Markise ausfahren und die Würstchen auf den Rost. Das fühlt sich an wie auf der heimischen Terrasse. Man sitzt im Kreis zusammen und ab und an rufen die Nachbarn herüber, die mit vergessenen Grillzutaten aushelfen und uns Neulinge im Bereich des motorisierten Campings mit dem einen oder anderen Profitipp unterstützen. Nach und nach lernen wir die Vorteile des Reisemobils zu schätzen. Sich nicht auf Wald und Wiese bettfertig machen zu müssen, sondern im hell erleuchteten und abschließbaren Bad zum Beispiel. Oder die benutzten und frischen Klamotten in den vielen Schränken fein säuberlich aufräumen und trennen zu können. So lässt es sich aushalten.

Wahlweise geweckt von schnarchenden Mitbewohnern oder den Sport- und Rennwagen, die durch den Abschnitt Pflanzgarten der Nürburgring-Nordschleife röhren, starten die Tage bei "Rock am Ring". Von Morgen zu Morgen reift die Erkenntnis, dass der Schlaf in so einer Wohnmobil-Koje deutlich erholsamer ist als auf einer Isomatte im Zweimannzelt. Und die Vorfreude, nach einer Nachtwanderung vom Festivalgelände zum Campingplatz bei strömendem Regen die heimische Bettwäsche statt eines Schlafsacks aus billigen Synthetik-Material an der Haut zu spüren. Das kann emotional mit der Begeisterung für die Bands und das Festival locker mithalten.

Dixi-Klo statt Wohnmobil-Chemietoilette

Es zeigt sich aber auch: Um all die Möglichkeiten eines solchen Wohnmobils zu erleben, reicht die Zeit bei "Rock am Ring" gar nicht aus. Während der 84 Stunden bleiben die Klimaanlage aus und die Küche kalt. Dusche und Waschbecken im erstaunlich geräumigen Bad benutzen wir nur selten. Denn nach vier bis fünf Duschen muss der 114 Liter große Frischwassertank aufgefüllt werden. Dafür sind viele Märsche mit der Zehn-Liter-Gießkanne zum Wasser-Container am anderen Ende des Campingplatzes nötig. Und die Chemietoilette ist auch irgendwann voll. Da wir sie erst auf der Rückfahrt an einer Autobahn-Raststätte leeren können, treten wir öfter als gedacht den Weg zum Dixi-Klo an.

Apropos Rückfahrt: So eine 6,94 Meter lange, 2,19 Meter breite und 2,81 Meter hohe Straßen-Yacht fährt sich natürlich ungewohnt. Sie ist beim Einlenken träge, beim Rangieren unübersichtlich trotz Rückfahrkamera und sehr empfindlich für Seitenwind. Obwohl der 130 PS starke 2,3-Liter-Turbodiesel des Fiat-Ducato-Fahrgestells schneller könnte, will man gar nicht mehr als 110 km/h fahren. Aber das ist immer noch schnell genug, um Lastwagen souverän zu überholen und die etwa 600 Kilometer lange Rückfahrt in angemessener Zeit zu absolvieren. Dabei reichen dem fast drei Tonnen schweren Globebus GT im Schnitt 10,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer - ein Spritverbrauch, mit dem sich leben lässt.

Zelt und Hotel sind keine Option

Und so gibt es am Ende nur ein Argument, das gegen den Integrierten von Dethleffs spricht: Mit dem von uns getesteten Grundriss und dem GT-Designpaket kostet er fast 69 000 Euro. Wer ihn mieten möchte, kann den Globebus I 6 GT bei Dethleffs' Tochterunternehmen McRent für gut 1000 Euro pro Woche buchen. Viel Geld, das sich für einen richtigen Urlaub auszugeben lohnt, nicht aber für ein verlängertes Festival-Wochenende - so ehrlich muss man sein. Andererseits: Wieder im Zelt zu schlafen, ist auch keine Option. Und ins Hotel? Nein, da rockt so ein Wohnmobil schon deutlich mehr.

Technische Daten Dethleffs Globebus I 6 GT:

R4-Dieselmotor mit 2,3 Litern Hubraum und Turboaufladung; Leistung 96 kW (130 PS); max. Drehmoment: 320 Nm bei 1800/min; Leergewicht: 2890 kg; Zuladung: 609 kg; 0 - 100 km/h: k.A.; Vmax: k.A.; Testverbrauch: 10,6 l / 100 km (lt. Werk: k.A.); Euro 6; Grundpreis: 68 998 Euro

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