Sinneswandel des CSU-Parteichefs Seehofer will Einwände gegen Pkw-Maut prüfen

CSU-Parteichef und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer lässt bei der Pkw-Maut nun doch mit sich reden.

(Foto: dpa)

Horst Seehofer will nun doch Ausnahmen für die Pkw-Maut prüfen. Dennoch hält er Dobrindts Konzept für die beste Lösung. Im SZ-Gespräch zeigt er sich verärgert über die Kritiker in den eigenen Reihen.

  • Horst Seehofer will Einwände aus den Grenzregionen gegen die Pkw-Maut prüfen und schließt Ausnahmeregelungen nicht aus.
  • Der CSU-Parteichef zeigt sich verärgert über die Maut-Kritiker in den Reihen der Union.
  • In der Koalition sei man sich einig, dass die Maut kommt.
  • Seehofer will nicht die Entscheidung der EU-Kommision abwarten.

In Grenzregionen könnten Ausnahmeregelungen für die Pkw-Maut kommen

Die CSU lenkt im Streit um die Maut offenbar ein und will auf die Kritiker zugehen. Parteichef Horst Seehofer kündigte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung an, doch noch einmal über Ausnahmeregelungen der Maut reden zu wollen. "Selbstverständlich werden wir Einwände der Grenzregionen noch einmal prüfen", sagte Seehofer. "Aber eine bessere Lösung als das Dobrindt-Konzept kenne ich nicht."

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Das sagt Seehofer den Maut-Kritikern

Bislang hatte es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) strikt abgelehnt, über Ausnahmen zu reden. Seehofer selbst hatte sogar seinen bayerischen Verkehrsminister Joachim Herrmann vor Wochen abgekanzelt, als dieser Gesprächsbereitschaft in dieser Frage signalisiert hatte. Seither ist der Druck aus den Bundesländern auf Dobrindt noch gewachsen. Die Union in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg lehnen Dobrindts Pläne ab, Maut auf allen Straßen und nicht nur auf Autobahnen zu verlangen. Seehofer zeigte sich verärgert: "Das hätte es nicht gebraucht", sagte er. "Wir sind nicht der politische Gegner der CDU." Über die SPD könne er sich in dieser Frage jedenfalls nicht beschweren. Die Bevölkerung könne nicht verstehen, wenn "wir da jetzt mit kleinlichen Diskussionen uns in unserer Handlungsfähigkeit beeinträchtigen würden".

In der Koalition herrscht Einigkeit, dass die Maut kommt

Offenbar hat sich Seehofer noch einmal in der Koalition besprochen. "Wir haben ein sehr starkes Vertrauensverhältnis in der Koalitionsspitze. Wir sind uns da völlig einig, dass wir die Maut machen und über Einzelheiten der Ausgestaltung vernünftig miteinander reden", sagte Seehofer.

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Seehofer will nicht auf eine Entscheidung der EU-Kommision warten

Anders als bisher angenommen, will Seehofer bei der Maut nicht darauf warten, dass die EU-Kommission den Plänen aus Deutschland ihre Zustimmung erteilt. "Wir dürfen in Deutschland nicht so weit kommen, dass wir hier nur noch handeln, wenn die Kommission hier vorher eine Genehmigung erteilt. Das wäre für mich ein schwer erträglicher Zustand", sagte Seehofer. "Ob die Maut Europarecht entspricht, muss aus eigener Zuständigkeit der Bundesregierung von den Bundesressorts beantwortet werden. Aus bayerischer Sicht ist das gegeben."