Carsharing in den USA Über Rentabilität spricht noch niemand

"Heutzutage ist das aber Quatsch. Ich fahre meistens mit dem Fahrrad." Mit Carsharing hat die junge Frau allerdings noch keine Erfahrung gemacht. "Ich weiß nur, dass meine Freunde ab und zu ein Car2go mieten." Allzu oft sei das aus finanziellen Gründen aber nicht möglich".

Wer sich in Austin ein Car2go mieten möchte, muss sich zuvor schriftlich anmelden. Per Internet oder Smartphone können registrierte Nutzer alle Fahrzeuge orten, die sich im Einzugsgebiet befinden. Anders als beim klassischen Carsharing müssen sie den Wagen danach nicht wieder zum Ausgangsort bringen oder an einem bestimmten Platz parken. Stattdessen können die Smarts in Austin auf allen öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Außerdem hat die Stadt vielerorts spezielle Zonen eingerichtet, die für Carsharing-Fahrzeuge reserviert sind.

"Hin und wieder kommt es dadurch zu Konzentrationen in gewissen Gebieten", räumt Stafford ein. Dann müsse das Unternehmen eingreifen und den Fuhrpark wieder einigermaßen gleichmäßig aufs Stadtgebiet verteilen.

Von den geschätzten 800 000 Einwohnern, die in Austin leben, haben sich bisher 21 000 als Car2go-Nutzer registriert. Nach einer einmaligen Anmeldegebühr von 35 Dollar (etwa 27 Euro) bekommen sie eine Code-Karte mit Pin-Nummer zugeschickt, mit der sie jeden der 302 Smarts nutzen können. Abgerechnet wird im Minutentakt (0,35 Dollar) oder pro Tag (65,99 Dollar), wobei das Benzin im Preis inbegriffen ist. Ob sich dieses Modell für Daimler überhaupt rentiert, will der Konzern nicht verraten. "Wie bei allen neuen Geschäftsmodellen wird es auch bei Car2go einige Zeit brauchen, bis sich die Anfangsinvestitionen auszahlen", wiegelt ein Sprecher ab, es gebe aber ein "beträchtliches Potential".

Wohin sich Car2go entwickeln soll, ist aber kein Geheimnis. "Auf lange Sicht werden unsere Benzin-Smarts durch elektrische Fahrzeuge ersetzt", sagt Katie Stafford, deren Dependance in Austin bereits mit der Umsetzung begonnen hat. Zwar gebe es bisher nur zwei Autos mit Elektroantrieb, die Infrastruktur sei aber bereits vorhanden: "So viele Ladestationen wie Austin hat bisher kaum jemand", sagt Stafford.

Noch aber gibt es viele Unwägbarkeiten - etwa, ob sich das texanische Modell tatsächlich auf die ganze USA übertragen lässt. Bisherige Versuche, das Fahrverhalten der Bevölkerung zu ändern, waren nicht erfolgreich. Beispiel Fahrgemeinschaften: Seit den achtziger Jahren sind in vielen Ballungsgebieten sogenannte "High Occupancy Vehicle Lanes" (HOV) eingerichtet worden - Highwayspuren, auf denen nur Autos mit mehreren Insassen fahren dürfen. Oft sind die HOVs aber verwaist, während sich nebenan die Massen durch den Feierabendverkehr drängeln.