Autoklassiker (17): Opel Kadett B Per aspera ad Astra

Mit dem neuen Astra hat Opel einiges vor. Einst etablierten sich die Rüsselsheimer mit dem Kadett B als feste Größe in der Kompaktklasse. Zeit für eine Ausfahrt mit dem Astra-Urahn.

Von Sebastian Viehmann

Dieses Auto ist gemütlich wie ein Kaffeekränzchen am Sonntagnachmittag. Mit einer sanften Schaukelbewegung gleitet der Kadett über Bodenwellen hinweg und will nur hin und wieder mit ein paar Korrekturen am spindeldürren Volant auf Kurs gebracht werden. Was die Federung nicht wegsteckt, wird von den Sitzpolstern geschluckt, die ungefähr soviel Seitenhalt bieten wie ein Wackelpudding. Mit nicht mal 800 Kilogramm kommt der 1,1-Liter-Vierzylinder gut zurecht, auch wenn je nach Ausstattung nur 45 bis 60 Pferdchen unter der Haube schlummern.

Mit dem Kadett B begann Opels Erfolg in der Kompaktklasse.

(Foto: Foto: Pressinform)

Der Opel Kadett B hat zwar kein Blumenväschen am Armaturenbrett wie der Käfer, dafür aber moderne Schalter, einen Tacho, der voller Optimismus bis 160 reicht und ein Handschuhfach mit schmucker Drehknopf-Öffnung. Die schwarzrot gemusterten Sitze harmonieren perfekt mit den Fußmatten, die wie selbst gehäkelt aussehen, aber die es einst beim freundlichen Opel-Händler als Zubehör gab.

Im neuen Astra legt Opel viel Wert auf Ablagen - Becherhalter, Platz für 1,5-Liter Flaschen, Handy oder iPod. Beim Kadett wäre im gigantischen Fußraum zwar ohne Ende Raum für Ablagen, doch die sucht man, abgesehen vom Handschuhfach, vergebens. Wozu auch? Der Kofferraum hat üppige Ausmaße und lässt neben dem Gepäck noch reichlich Spielraum für andere Sachen: Auf der linken Seite macht es sich das Reserverad bequem, rechts hat sich der 40 Liter große Kraftstofftank mitten im Aufprallbereich häuslich eingerichtet.

Kadett oder Käfer - bis in die frühen siebziger Jahre hinein gab es auf diese Frage für logisch denkende Autofahrer eigentlich nur eine Antwort. Der Kadett war zwar etwas teurer als der Volkswagen - im August 1970 musste man für den kompakten Opel mit Stufenheck und zwei Türen 5840 Deutsche Mark auf den Tisch legen, für einen Standard-Käfer 4695 Mark. Doch der Kadett bot mehr Platz für die Passagiere, mehr Laderaum, mehr Leistung und verbrauchte auch noch weniger Sprit. Trotzdem zog der Käfer dem Kadett bei den Verkaufszahlen davon. "Da weiß man, was man hat", frohlockte man in Wolfsburg.