Alternativer Antrieb BMW unter Strom

Natürlich kann man den BMW 3er Plug-in-Hybrid auch an der Strom-Ladestation "auftanken".

(Foto: WGO)

Strategieschwenk bei BMW: Hybride mit kleineren Benzin- und stärkeren Elektromotoren sollen helfen, die Modelle sparsamer zu machen. Der künftige Dreier soll im Schnitt nur etwa zwei Liter verbrauchen.

Von Joachim Becker

Ein BMW Dreier muss es allen recht machen: Als Geschäftswagen soll er in die Firmenhierarchie passen, als Familienauto muss er Platz bieten und als Sportlimousine soll er einfach nur Spaß machen. Dann darf er auch an der Haftgrenze durch die Kurven schlenzen. Zum Glück, denkt man, hat dieser Allrounder keinen Speck angesetzt. Und dann kommt die Hiobsbotschaft: 165 Kilogramm reines Hüftgold soll die nächste Evolutionsstufe des Hybridantriebs auf die Waage bringen. Plug-in-Hybrid bedeutet nicht nur, Strom an der Steckdose zu tanken. Plug-in bedeutet auch, einen 1,5-Tonnen-Leichtathleten in einen Zehnkämpfer für alle Eco-Disziplinen zu verwandeln.

Ein bisschen i8 steckt künftig in jedem Plug-in-Hybrid der Marke, lautet die Botschaft. Was fehlt, ist die Carbon-Leichtbauarchitektur des flachen Zweitürers. Beim i8 kann sie das Gewicht der Elektrokomponenten wieder kompensieren. Doch der Dreier Plug-in-Hybrid sattelt munter Pfunde obendrauf. Zum Beispiel einen 85 Kilo schweren Batterierucksack und einen zusätzlichen Hochvoltgenerator auf der Hinterachse. Damit kann der Dreier auch bei konstanter Fahrt Energie speichern - um am Zielort erneut 35 Kilometer rein elektrisch zu fahren.

Der BMW 3er Plug-in-Hybrid, hier noch mit typischer Erlkönig-Beklebung, soll Anfang 2016 erscheinen.

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Ohne Abgase über die Autobahn

Das erfrischende Strombritzeln kennen wir bereits aus dem i8: Beinahe lautlos kann so ein Batteriewägelchen durch die Stadt gleiten. Es sprintet an der Ampel dank eDrive zügig los und beeindruckt den Fahrer mit souveräner Kraftentfaltung bei jedem Tempo. Während der bisherige Dreier ActiveHybrid nur drei Kilometer stromern konnte, kommt der neue Plug-in-Hybrid durch die Großstadt und zurück, ohne den Benziner anknipsen zu müssen. Weil der Wagen im Max-E-Modus sogar auf 120 km/h beschleunigen kann, klappt auch der Ritt auf der Ringautobahn ohne Abgase. 30 Zentimeter zusätzlicher Bauraum im Getriebetunnel genügen, um einen 70 kW (95 PS) starken Elektromotor unterzubringen.

Nachteilig für die Passagiere ist lediglich das um 90 Liter geschrumpfte Ladevolumen. Aber auch das lässt sich verschmerzen, weil der Kofferraumboden lediglich um 3,5 Zentimeter nach oben wandert und die Ablagefächer darunter auch nur selten gebraucht werden. Umlegen lassen sich die Rücksitze immer noch problemlos.

"Wir haben unsere Hybridstrategie angepasst", sagt Helmut Wiesler, "statt beim Dreier ActiveHybrid einen Sechszylindermotor mit einer relativ kleinen E-Maschine zu koppeln, kombinieren wird jetzt den neuesten 180-PS-Vierzylinder mit einem 95 PS starken Elektromotor", so der Projektleiter BMW Dreier Plug-in-Hybrid. Beide Antriebe werden von den Münchnern beziehungsweise Dingolfingern in Eigenregie gebaut.

Sie haben alle das gleiche Manko

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Im Normzyklus kommt der Dreier Plug-in mit 2,1 Litern aus

Dieses Systemverständnis ist dem Prototypen bei der ersten Probefahrt in Miramas anzumerken. Der Doppelantrieb startet in der Schalterposition "Auto" mit der vollen Schubkraft beider Motoren. Knapp über Leerlauf stehen 400 Nm Drehmoment bereit, um die Fuhre in weniger als sieben Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Wichtiger als 245 PS Systemleistung ist das hellwache Ansprechen der E-Maschine: Im Kurvengeschlängel der französischen Test- und Rennstrecke reagiert der BMW Dreier so spontan auf alle Befehle von Gaspedal und Bremse, dass er sich schnell auf der Ideallinie bewegen lässt. Das Heck drückt auch bei forcierter Fahrt erst spät nach außen, die Lenkung bleibt feinfühlig-direkt und die Balance so fein austariert, wie man es von einem Dreier erwarten darf.

Noch feilen die Entwickler an der ruckfreien Verschmelzung der beiden Antriebe, erst Ende 2015 wird das Serienmodell vorgestellt. Schon jetzt steht allerdings der Verbrauchs-Idealwert von 2,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer fest. Dafür muss der BMW Dreier aber ständig an die Ladeleine genommen werden. Im Normzyklus überrundet der neue Grünsportler mit 50 g/km CO₂ seinen Vorgänger: Der BMW Dreier ActiveHybrid kam bei einer Systemleistung von 250 kW (340 PS) lediglich auf einen CO₂-Wert von 139 g/km. Der Grund: Bisher konnte der BMW Dreier Hybrid an der Steckdose keinen Öko-Bonus einfahren - und mit 1730 kg war er noch nie ein Leichtgewicht.

Absturz mit Ansage

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Ausschlaggebend für seinen Misserfolg bei den Kunden dürfte aber wohl der exorbitante Preis von mindestens 53 550 Euro gewesen sein. Auch hier hat BMW dazugelernt: Der neue Dreier Plug-in-Hybrid soll für rund 39 000 Euro erhältlich sein. Damit ordnet er sich preislich zwischen dem gleich starken BMW 328i und dem 325d mit 160 kW (218 PS) ein.