Aktion gegen Raser Das müssen Sie zum Blitzer-Marathon wissen

Fast 15.000 Polizisten, beinahe 8600 Kontrollpunkte, verteilt über ganz Deutschland: Am Donnerstagmorgen beginnt ein bundesweiter Blitzer-Marathon. Was die Aktion bezwecken soll - und was die Kritiker sagen.

Von Sascha Gorhau

Was passiert am Donnerstag?

In einer konzertierten Aktion werden in ganz Deutschland mehr als 14.700 Polizisten die Autofahrer an fast 8600 Stellen kontrollieren. Die Tempomessungen beginnen am Donnerstag, 10. Oktober, morgens um sechs Uhr. In Berlin hatte es zuletzt im April eine ganztägige Blitzer-Aktion gegeben. Damals erwischten die Beamten etwa 3400 Temposünder. Die Idee des Blitzer-Marathons stammt aus Nordrhein-Westfalen (NRW). Bereits vier Mal wurden dort die Autofahrer im großen Stil kontrolliert. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) betont den Erfolg der Maßnahme: "Auswertungen in den Polizeibehörden zeigen, dass auch zwischen den Blitzer-Marathons langsamer gefahren wird."

Auf welchen Straßen wird geblitzt?

Die Polizei veröffentlichte vorab die Straßen, an denen sie kontrollieren will. Die genauen Positionen nannte sie aber nicht. Man wolle versuchen, möglichst viele der erfassten Raser anzuhalten und das Gespräch zu suchen, hieß es. Außerdem wollen die Polizisten vor allem an Stellen kontrollieren, an denen häufig Unfälle passieren, sowie vor Schulen und Kindergärten.

Die Orte, an denen geblitzt wird, finden Sie hier:

Aktion gegen Raser Hier blitzen die Bundesländer

Baden-Württemberg bietet keine Gesamtübersicht. Die Bürger sind angehalten, die Standorte der Blitzer in den jeweiligen Polizeidienststellen zu erfragen.

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pflaz

Saarland

Sachsen bietet keine Übersicht über die Standorte der Blitzer.

Sachsen-Anhalt will erst am morgigen Donnerstag die Standorte der Blitzer veröffentlichen.

Schleswig-Holstein

Thüringen

Wie lange finden die Kontrollen statt?

An diesem Donnerstag um sechs Uhr beginnen die Kontrollen und enden am Freitagmorgen um sechs Uhr. Eine Ausnahme ist Bayern. Dort werden eine ganze Woche lang verstärkt Kontrollen durchgeführt. Bis zum 17. Oktober finden an 1500 Messstellen in Bayern Geschwindigkeitsüberprüfungen statt.

Wer initiiert den Blitzer-Marathon?

Der 24-Stunden-Marathon ist ein Projekt, das die Bundesländer gemeinsam durchführen. Vor allem NRW-Innenminister Jäger und sein Kollege Lorenz Caffier aus Mecklenburg-Vorpommern haben sich dafür starkgemacht. Die Geschwindigkeitsmessungen führen Polizeibeamte der jeweiligen Bundesländer durch.

Sind angekündigte Aktionen überhaupt sinnvoll?

Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. "Solche großangelegten Aktionen sind sinnvoll, weil sie wie ein Weckruf funktionieren", sagt Verkehrspsychologe Gerhard Laub vom TÜV Süd. Verkehrspsychologe Gerhard Voss aus Hannover sagt hingegen, dass die Menschen nur während der Kontrollen langsamer führen. Der ADAC kritisierte, dass im Alltag oft am Ortsausgang - und nicht an sinnvolleren Stellen - geblitzt werde. Das diene eher dem Füllen leerer Haushaltskassen als einer verbesserten Verkehrssicherheit.

Haben die Geschwindigkeitskontrollen einen langfristigen Effekt?

Die Nachhaltigkeit der Kontrollen ist umstritten. NRW-Innenminister Jäger betonte den Erfolg der vier vergangenen Blitzer-Marathons und sprach von einem "Lerneffekt" bei den Autofahrern. Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) sagt, dass vor allem die ständige Wiederholung solcher Aktionen die Autofahrer bewegen könne, langsamer zu fahren. Verkehrspsychologe Voss hingegen sieht keine nachhaltige Verbesserung: "Einen Lerneffekt erwarte ich nicht."

Am Donnerstag, dem 10. Oktober, beginnt ein bundesweiter Blitz-Marathon.

(Foto: dpa)

Welche Maßnahmen sind am sinnvollsten, um Tempolimits generell durchzusetzen?

Nur Tempokontrollen reichen nicht, damit die Autofahrer sich dauerhaft an die Geschwindigkeitslimits halten. Vielmehr sei "ein Mosaik von Maßnahmen notwendig", sagt Gerhard Laub vom Tüv Süd. "Ein Bewusstsein für das eigene Handeln, ein Verantwortungsbewusstsein für die anderen Verkehrsteilnehmer müssen gefördert und die Nachahmung von anderen gestoppt werden", sagt Laub. Beim Ladendiebstahl beispielsweise gebe es einen gesellschaftlichen Konsens, dass dieser zu verurteilen sei. Geschwindigkeitsverstöße würden dagegen noch immer teilweise positiv bewertet werden, weil sie dem Fahrer vermeintlich außergewöhnliche Fahrfertigkeiten attestieren würden, so Laub. Das müsse sich ändern.

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