ADAC-Hauptversammlung Signale von der Saar

Ein bisschen Neuanfang: ADAC-Hauptversammlung in Saarbrücken

(Foto: picture alliance / dpa)

Glatt inszenierte Veranstaltung: Auf der ersten Hauptversammlung des ADAC nach den Skandalen fällt das Wort "Reform" fast inflationär oft. Doch beim Neuanfang steckt der Teufel im Detail. Denn manche Bremser im Verein sind mächtig.

Von Bastian Obermayer und Uwe Ritzer, Saarbrücken

Kontroverse Diskussionen sah die Tagungsregie in der Saarbrücker Kongresshalle nicht vor. Sie sah vor, dass ein klares Signal von dort ausging. Die Hauptversammlung des von Skandalen erschütterten ADAC war eine glatt inszenierte Veranstaltung, die keine großen Reibungsflächen offenbaren sollte. Fast inflationär oft wurde das Wort "Reform" in allen erdenklichen Satz- und Wortkonstruktionen verwendet. Die Entscheider beim ADAC wissen: Je öfter man etwas wiederholt, desto mehr setzt es sich in den Köpfen der Menschen fest.

Tatsächlich erhielten Interims-Präsident August Markl und die anderen Reformtreiber in Saarbrücken Rückenwind. Durch Beifall und eine Spontan-Abstimmung per Handheben, in der der Reformkurs pauschal gutgeheißen wurde. Immerhin.

Der ADAC kündigte auch an, sich künftig zurückhaltender in politische Debatten einzumischen, mehr mit Ratschlägen und weniger mit ultimativen Forderungen. Die Anliegen der Mitglieder sollen wieder wichtiger werden als kommerzielle Interessen. Und alles, was da an unangenehmen Dingen öffentlich wurde in den vergangenen Wochen - vom provisionsbetriebenen Batterieverkauf bis zum fragwürdigen Umgang mit Abschleppdiensten - soll grundlegend geprüft und/oder abgestellt werden.

Konkrete Beschlüsse fasste die Hauptversammlung nicht, viele Problemfelder wurden nicht diskutiert, zumindest nicht öffentlich. Dabei steckt der Teufel bei alledem im Detail. So wird zum Beispiel der sofortige Rückzug sämtlicher ADAC-Funktionäre aus den Aufsichtsräten der Versicherungs-Tochterfirmen durchaus kontrovers diskutiert. Solche Debatten dürfte es noch viele geben, denn die alten Kräfte sind stark. Völlig unklar ist auch, wie reformwillig die starken - weil sehr unabhängigen - Regionalclubs sind, deren Eigenständigkeit und Macht beschnitten werden müsste. Da dürfte noch schwer gerungen werden.

Saarbrücken war ein Anfang. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Linktipps: Wie Deutschlands Transparency-Chefin Edda Müller dem ADAC die Leviten las, lesen Sie in diesem Artikel. Alle SZ-Texte über den ADAC finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

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