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Wissensnachrichten der Woche:Sex sells? Eher nicht

Alte Marketing-Regeln wackeln, ein Pflaster soll künftig Impfstoffe verabreichen und die Neandertaler scheinen sich als Zahnärzte versucht zu haben. Die Wissensnachrichten der Woche.

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Sexualisierte Werbung kann kontraproduktiv sein

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Quelle: Christin Klose/dpa

Wenn Werbern Ideen fehlen, so wirkt es oft, dann stellen sie eine sehr schöne, mindestens halb nackte Frau oder einen sehr schönen, mindestens halb nackten Mann neben das Produkt - und fertig ist die Anzeige. Sex sells, heißt es schließlich. Offenbar wirkt diese Art der Werbung jedoch nicht besonders gut oder ist sogar kontraproduktiv, wie Wissenschaftler um John Wirtz von der University of Illinois in Urbana-Champaign in der Fachzeitschrift International Journal of Advertising berichten.

Für ihre Meta-Analyse werteten die Forscher insgesamt 78 Studien mit beinahe 18 000 Teilnehmern neu aus. Nackte Haut oder eindeutige sexuelle Anspielungen in einer Werbung erzeugen zumindest Aufmerksamkeit, so die Autoren. Solche Anzeigen werden nämlich leichter wiedererkannt oder sogar aktiv erinnert, ergab die Auswertung der Daten. Auf die werbende Marke zeigten sexualisierten Werbekampagnen hingegen keinen Effekt - die Wiederkennung eines Labels verbesserte sich dadurch nicht.

Die Leute merken sich also eine Anzeige oder einen Spot, aber nicht das Produkt beziehungsweise die Firma dahinter. Nackte Haut in Anzeigen wirkte sich zudem kaum darauf aus, wie das Publikum diese Werbung bewertete. Die Forscher fanden in diesem Zusammenhang lediglich einen Effekt: Männer finden Anzeigen mit aufreizenden Modells besser als Frauen. Sexualisierte Werbekampagnen beschädigen dennoch das Image der Firmen - wenn auch nur minimal. Wirtz und seine Kollegen identifizierten einen kleinen negativen Effekt solcher Anzeigen auf die Bewertung der beworbenen Marken. Auf die Kaufabsicht hatten Kampagnen mit nackter Haut keine Auswirkungen. Also, sex sells? Eher nicht.

Sebastian Herrmann

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Mikronadeln statt Spritze

Pflaster für Grippeimpfung

Quelle: Georgia Tech

US-amerikanische Forscher haben ein Pflaster entwickelt, das den Grippe-Impfstoff freisetzt (Lancet). Ein erster klinischer Versuch zeigte vielversprechende Ergebnisse: Die Wissenschaftler hatten beide Methoden an insgesamt 100 Probanden verglichen. Schwerere Nebenwirkungen gab es in keiner der Gruppen.

Der Vorteil des Pflasters ist die einfache und preiswerte Anwendung. Patienten können es selbst aufkleben und nach wenigen Minuten wieder abziehen. Die Mikronadeln lösen sich nach Abgabe des Impfstoffs auf; das Pflaster kann dann einfach in den Müll geworfen werden. Die Spritze muss dagegen von medizinisch geschultem Personal verabreicht und ihre Nadel sicher entsorgt werden.

Ob die Grippe-Impfung aus dem Pflaster Realität wird, ist allerdings noch nicht klar. Die Methode muss sich zunächst noch an deutlich mehr Patienten bewähren.

Berit Uhlmann

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Neandertaler versuchten sich als Zahnärzte

Neandertaler Zähne

Quelle: David Frayer, University of Kansas

Vielleicht muss man nicht unbedingt von prähistorischer Zahnheilkunde reden, wie es begeisterungsfähige Forscher um den Anthropologen David Frayer von der University of Kansas in ihrer Pressemitteilung tun. Aber immerhin: Ihre Analyse von vier Zähnen aus dem linken Unterkiefer eines Neandertalers deutet darauf hin, dass diese bereits vor 130 000 Jahren an ihrem Gebiss herumgedoktert haben (Bulletin of the International Association for Paleodontology).

Die Zähne waren vor mehr als hundert Jahren in der archäologischen Fundstätte von Krapina in Kroatien gefunden worden. Unter dem Mikroskop zeigten sie nun abgenutzte Kauflächen, Brüche im Zahnschmelz, Kratzer im Dentin, aber vor allem auch Rillen, die vermutlich von einem Werkzeug stammen, das einem Zahnstocher geähnelt haben muss. "Alles in allem lässt das vermuten, dass der Neandertaler dort Probleme hatte und sie vermutlich selbst behandeln wollte", sagt Frayer.

Darauf deutet seiner Ansicht nach auch die leicht verschobene Position von zwei der Zähne. "Wahrscheinlich hat die Person etwas in ihren Mund geschoben, um an den beeinträchtigten Backenzahn zu kommen." Ob dieser Befund wirklich beweist, wie die Forscher meinen, dass die frühen Verwandten dem modernen Menschen kaum unterlegen gewesen seien, kann man sicher streiten. Plausibel ist aber eine weitere Folgerung der Studie: Auch der Neandertaler litt mal unter Zahnweh.

Christian Weber

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Wohlstandsindikator Seife

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Quelle: AFP

Für die meisten Menschen ist das Händewaschen mit Wasser und Seife nach dem Toilettengang und häufig auch vor dem Zubereiten von Mahlzeiten und dem Essen eine selbstverständliche Routine. In vielen einkommensschwachen Ländern fehlt es dazu jedoch schlicht an Gelegenheit, wie jetzt eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin American Journal of Tropical Medicine and Hygiene zeigt. Demnach gibt es noch einige Länder - vor allem in Afrika - wo kaum ein Haushalt auf eine vernünftige hygienische Infrastruktur Zugriff hat.

Die Forscher um die Epidemiologin Pavani Ram von der University at Buffalo analysierten Daten-Erhebungen aus insgesamt 51 Ländern in Afrika, Asien, Südamerika, dem Nahen und Mittleren Osten und Südosteuropa.

Dabei ergaben sich überraschende Einsichten: So haben etwa in Äthiopien nur 0,1 Prozent der Menschen in ihrer Wohnung unmittelbaren Zugang zu Wasser und Seife. Besser sieht die Lage aus, wenn man ganze Wohngebäude betrachtet. Da reichte die Spannweite von knapp 21 Prozent in Senegal bis zu 99,1 Prozent in Serbien und im Irak. Allgemein ist die Versorgung im Mittleren Osten besser als in Afrika; am schlechtesten schloss dort Afghanistan mit 42,6 Prozent ab. In Südostasien haben beim Spitzenreiter Bhutan 79 Prozent der Haushalte Zugang zu Wasser und Seife; beim Schlusslicht Bangladesch sind es nur 21,4 Prozent. Groß sind die Unterschiede auch innerhalb der Länder. So verfügen in Nepal nur sechs Prozent der ärmsten Menschen über Wasser und Seife in ihrer Wohnung; in reicheren Regionen sind es jedoch 85 Prozent.

Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei diesen Zahlen nicht nur um einen Armutsindikator handelt, so wie es etwa der bekannte Big-Mac-Index für die Kaufkraft macht. Zwar mag es auch ästhetische Gründe für das Händewaschen geben, vor allem aber beugt es Krankheiten vor, die über Tröpfcheninfektion weitergegeben werden, etwa Lungenentzündungen und Durchfall. An diesen Leiden starben allein 2013 rund 1,6 Millionen Kinder auf der Welt, berichten die Autoren. Hinzu kommen nach einer Erhebung aus dem Jahr 2010 rund 120 Millionen Fälle von Lungenentzündung und 1,7 Milliarden Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren, die zwar nicht tödlich endeten, aber dennoch zu chronischen Beschwerden wie etwa Wachstumsschwierigkeiten führen können.

Christian Weber

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Lukrativer Handel mit Löwenknochen

Handout shows Sylvester the lion

Quelle: REUTERS

Südafrika hat den Export von 800 Löwenskeletten pro Jahr erlaubt. Die Gebeine werden in der traditionellen asiatischen Medizin als Ersatz für Tigerknochen eingesetzt, deren Handel bereits verboten ist. Die Naturschutz-Organisation Pro Wildlife bewertet die Erlaubnis als Gefahr für die ohnehin stark dezimierten Löwenbestände in Afrika. Zwar sollen die Löwenskelette angeblich aus Zuchtfarmen stammen, doch Kontrollen sind schwierig: "Wir befürchten, dass Knochen gewilderter Tiere in den lukrativen Handel eingeschmuggelt werden. In der Praxis ist es kaum möglich, nachzuvollziehen, woher die gehandelten Knochen kommen". Nach Angaben der Organisation werden in Nationalparks und Gehegen immer wieder gewilderte Löwen ohne Knochen oder mit fehlenden Körperteilen aufgefunden. Löwen stehen als gefährdete Art auf der Roten Liste der IUCN.

© sz.de/beu
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