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Wissenschaftliche Publikationen:Immer mehr Studien werden zurückgezogen

Die Zahl der zurückgezogenen Publikationen steigt rasant. Dabei sind fachliche Irrtümer nur für einen geringen Teil der Rücknahmen verantwortlich.

Werner Bartens

Wird ein Fachartikel zurückgezogen, liegt das in mehr als zwei Dritteln der Fälle an wissenschaftlichem Fehlverhalten. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Forscher um Ferric Fang von der University of Washington in Seattle im Fachmagazin PNAS (online). Unter Fehlverhalten werden Fälschung, der Verdacht auf Fälschung, Plagiate und die doppelte Publikation eigener Ergebnisse verstanden. In vorherigen Studien wurde zumeist behauptet, die meisten Zurücknahmen würden auf irrtümlichen Fehlern beruhen. Der Anteil der inkriminierten Beiträge hat sich seit 1975 verzehnfacht.

Fang und seine Kollegen hatten die immerhin 2047 Fachartikel ausgewertet, die in der wissenschaftlichen Datenbank PubMed als "zurückgezogen" markiert sind. Dabei zeigte sich, dass nur 21 Prozent der Beiträge aufgrund von Fehlern zurückgezogen wurden, aber mehr als 67 Prozent nach einem Fehlverhalten, darunter waren am häufigsten Fälschung (43,4 Prozent), doppelte Publikation (14,2 Prozent) und Plagiate (9,8 Prozent).

"Die biomedizinische Forschung hat perverse Anreize geschaffen", sagt Seniorautor Arturo Casadevall. "Manche Wissenschaftler nehmen es daher nicht mehr so genau oder fälschen sogar Ergebnisse."

Erstaunlicherweise finden sich in angesehenen Zeitschriften wie Science, Nature und auch PNAS besonders viele Rücknahmen von Fachartikeln. Casadevall führt dies auf die Unsitte zurück, dass junge Forscher in ihrer Karriere belohnt werden, wenn sie besonders viele Artikel publizieren - und diese in prestigeträchtigen Journalen unterbringen.

© SZ vom 04.10.2012/beu
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