Weltraum-Mission Führungslose Mars-Rover

In den kommenden drei Wochen sind die Erkundungs-Roboter auf dem Mars sich selbst überlassen. Warum die Nasa derzeit keine Kommandos sendet.

Von Christopher Schrader

Ab dem heutigen Dienstag herrscht Funkstille zwischen Mars und Erde. Die beiden Rover, die die amerikanische Weltraumbehörde Nasa auf der Oberfläche des Roten Planeten steuert, reden nicht mehr mit ihrem Kontrollzentrum in Pasadena bei Los Angeles. Einmal am Tag könnte ein kurzer Piepser in Kalifornien eintreffen, ansonsten herrscht Ruhe. Und auch nur einer der beiden Satelliten im Orbit um den Mars will sich per Funk melden, aber die Ingenieure der Nasa geben bis Anfang Mai nicht viel auf seine Daten. Kommandos schicken sie überhaupt keine mehr.

Das Kontrollzentrum hat die weitgehende Funkstille angeordnet, weil der Mars von der Erde aus gesehen praktisch hinter der Sonne verschwindet. In der Fachsprache der Astronomie ausgedrückt, geht der Planet am 18. April in Konjunktion zur Erde. Sonne und beide Planeten stehen dann auf einer Linie, und der Feuerball in der Mitte behindert die Kommunikation zwischen der Nasa und den Spähern. Ab dem heutigen Dienstag schon ist der Mars nur noch zwei Grad von der Sonne entfernt, jegliches Funksignal könnte vom Brodeln ihrer äußeren Schichten gestört werden.

Darum verzichtet die Weltraumbehörde drei Wochen lang bis zum 1. Mai komplett darauf, den Geräten neue Kommandos zu schicken. Dahinter steht die Sorge, Befehle könnten verstümmelt ankommen und Satelliten oder Rover zu schädlichen Manövern verleiten. Sowohl Odyssee und der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) in der Umlaufbahn um den Planeten, als auch Curiosity und Opportunity auf der Oberfläche haben eine lange To-do-Liste bekommen, die sie bis zum 1. Mai beschäftigen wird. Die Rover sollen sich in dieser Zeit aber nicht von der Stelle bewegen.

Signale vom Mars zur Erde werden eingeschränkt. Der große neue Rover Curiosity, der seit August 2012 die Oberfläche erkundet, soll einmal am Tag einen Piepser schicken, sowohl direkt als auch auf dem Umweg über Odyssee. Ob das Lebenszeichen die Erde erreicht, ist aber ungewiss. Die erfassten Messergebnisse sendet das sechsrädrige Fahrzeug genauso wie sein kleinerer Vorläufer Opportunity in den Orbit, wo beide Satelliten sie speichern. Odyssee wird versuchen, die Daten zur Erde zu funken, MRO speichert sie und schickt Anfang Mai eine lange E-Mail mit 50 Gigabit.

Solche Konjunktionen wiederholen sich alle 26 Monate. Wer den Nachthimmel per Teleskop verfolgt, muss dabei länger auf den Anblick des Mars verzichten, als die Nasa Funkstille hält. Erst im Juni, raten einschlägige Webseiten im Internet, könne man den Planeten wieder beobachten, wenn er sich weit genug vom Glanz der Sonne entfernt hat. Ein weiteres Schauspiel wird den Planetenguckern daher entgehen - ein Ereignis, das den Funkverkehr der Nasa nur vorübergehend behindert: Am 9. Mai verschwindet der Mars hinter dem Neumond.

"Curiosity" auf dem Mars

Selbstporträt auf dem Roten Planeten