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Verhaltensbiologie:Linke Pfote, rechte Pfote

Grauhörnchen

So wie Menschen Links- oder Rechtshänder sind, haben auch Grauhörnchen eine bevorzugte Pfotenseite.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ähnlich wie unter Menschen gibt es auch bei Grauhörnchen Links- und Rechtshänder. Am schlausten sind aber anscheinend Tiere, die beide Seiten benutzen.

Nicht nur bei Menschen gibt es Links- und Rechtshänder, auch unter Tieren ist eine Vorliebe für die eine oder andere Seite verbreitet: Viele Vögel suchen mit dem rechten Auge nach Würmern und die meisten Buckelwale fressen lieber mit der rechten Seite ihres Mauls. Schafe dagegen erkennen sich gegenseitig besser mit dem linken Auge und Riesenkängurus heben Blätter fast immer mit ihrer linken Pfote auf. Bei Grauhörnchen gibt es ähnlich wie beim Menschen sowohl Links- als auch Rechtshänder, außerdem auch Individuen, die mit beiden Pfoten gleich geschickt sind.

Britische Verhaltensbiologen haben jetzt herausgefunden, dass Grauhörnchen, die lateralisiert sind, also eine Präferenz für die eine oder andere Seite haben, langsamer lernen als solche, die beide Pfoten gleich oft benutzen (Learning and Behaviour). Wären Vermenschlichungen in der Verhaltensbiologie zulässig, könnte man auch sagen: Die lateralisierten Tiere sind dümmer. "Es wurde oft vermutet, dass eine Lateralisierung das Gehirn effizienter macht, weil sich jede Gehirnhälfte auf bestimmte Fähigkeiten konzentriert", sagt Studienautorin Lisa Leaver, Verhaltensbiologin an der University of Exeter. In ihrem Experiment konfrontierte Leaver wilde Grauhörnchen auf dem Campus der Universität mit einem durchsichtigen Röhrchen, das mit Erdnüssen gefüllt war. Normalerweise sammeln die Hörnchen ihr Futter mit dem Maul. Dafür war das Röhrchen aber zu eng. Die Tiere mussten also lernen, sich die Erdnüsse mit einer Pfote herauszuangeln. Die Wissenschaftlerin beobachtete mehr als 30 Grauhörnchen, bei elf konnte sie die Zeit stoppen, bis das Tier auf den Trick mit der Pfote kam. Gleichzeitig hielt sie akribisch fest, welches Hörnchen wie oft welche Pfote benutzte. Die Auswertung ergab, dass "beidhändige" Tiere schneller begriffen, wie sie an die Erdnüsse herankommen konnten. Ob Menschen, die stark auf eine Seite festgelegt sind, ebenfalls langsamer lernen, ist nicht bekannt. Allerdings gibt es Hinweise, dass Beidhänder besonders kreativ sind.

© SZ vom 21.01.2020
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