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Verhaltensbiologie:Lernen von den Alten

Traditionen gibt es nicht nur bei Menschen und Affen. Bei Mangusten etwa werden Jagdmethoden kulturell überliefert.

Katrin Blawat

Wenn Zebramangusten Hunger haben, müssen sie geschickt, aber nicht zimperlich vorgehen. Die Nahrung der knapp zwei Kilogramm schweren Fleischfresser besteht unter anderem aus Vogeleiern und Nashornkäfern - beides ist nicht leicht zu knacken.

Wie die Verhaltensbiologen Corsin Müller und Michael Cant von der University of Exeter entdeckt haben, gucken sich junge Zebramangusten bei älteren Artgenossen ab, wie sich das Futter in mundgerechte Stücke zerlegen lässt (Current Biology, online). Bislang hatte man dieses sogenannte tradierte Verhalten vor allem bei Primaten und Meeressäugern beobachtet.

Typischerweise nutzen Zebramangusten zwei verschiedene Techniken, um etwa an das Innere eines Vogeleis zu kommen: Entweder beißen sie die harte Schale kaputt, oder sie schleudern das Ei so heftig gegen einen Stein oder Baumstamm, dass es zerplatzt. Dabei bevorzugt ein Tier häufig eine der beiden Techniken, wie Müller und Cant während ihrer Beobachtungen in einem Nationalpark in Uganda bemerkten.

Die Biologen bastelten eine mit Reis und Fisch gefüllte Futterbox, ähnlich dem Innenteil eines Überraschungseis. Zunächst gaben sie die Box den erwachsenen Tieren einer Gruppe. Manche Mangusten entschieden sich bei jedem Versuch für die Beiß-, andere stets für die Wurftechnik; wieder andere nutzten beide Methoden gleichermaßen.

Dann testeten die Forscher Jungtiere, die im Alter von sechs bis elf Wochen den erwachsenen Mangusten zugeschaut hatten. Jede Zebramanguste sucht sich bald nach der Geburt einen eigenen Aufpasser, meist ist das ein erwachsenes Männchen. Mangusten, die sich als Aufpasser einen "Beißer" ausgesucht hatten, öffneten die Futterbox ebenfalls mit der Beißtechnik.

Tiere, deren Aufpasser stets auf die Wurftechnik gesetzt hatten, entschieden sich wie ihre Lehrmeister ebenfalls fürs Werfen. Diese Vorlieben zeigten sich auch noch, als die Forscher den Versuch zehn Monate später wiederholten.

Ihre Beobachtungen seien zum einen ein Beleg dafür, dass sich auch innerhalb einer einzigen Gruppe verschiede Traditionen etablieren können, schreiben die Autoren. "Außerdem lassen die Ergebnisse vermuten, dass es im Tierreich weit verbreitet ist, Traditionen weiterzugeben", sagt Müller. "Diese Fähigkeit ist nicht auf einige wenige Tierarten wie Menschenaffen oder Delphine beschränkt."

© SZ vom 04.06.2010/mcs
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