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Ungewöhnliche Nahrungsmittel:Heidelbeersaft, Aluminium und Kirschlikör-Sirup

Die Imker selbst sind überzeugt davon, dass die Bienen sich - vor allem in trockenen Jahren, wenn nur wenig Blumen und Blüten Nektar liefern - am Saft von wilden Heidelbeeren gütlich tun. Sie behaupten sogar, der blaue Honig hätte ein besonderes Beeren-Bouquet. Dafür spricht, dass er in den Monaten Juli und August auftaucht, wenn die Heidelbeeren reifen.

Es gibt allerdings auch die Vermutung, die Farbe könnte von den violetten Blüten der japanischen Kudzu-Pflanze stammen, die sich seit den fünfziger Jahren in den USA ausbreitet.

Eine ganz andere Erklärung bietet dem Our State Magazine zufolge der Bienenforscher John Ambrose von der North Carolina State University in Raleigh. Der Wissenschaftler hat bereits in den siebziger Jahren Bienen von Stöcken mit blauem Honig untersucht und festgestellt, dass Sammlerinnen, die heimkamen, keine blaue Farbe enthielten - abfliegende Tiere, die von den Honigvorräten genascht hatten, dagegen schon.

Demnach würde der Nektar erst im Bienenstock seine Farbe bekommen. Die Erklärung: Die Insekten sammeln den Nektar der Sauerbäume, die auf Boden mit hohem Aluminiumgehalt wachsen. Wenn die Stockbienen Nektar in Honig verwandeln, indem sie die aluminiumhaltige Flüssigkeit wiederholt einsaugen und wieder abgeben, steigt der Säuregehalt und die Farbe ändert sich zu blau.

Möglicherweise haben ja alle recht, und der Honig ist in der Umgebung von Heidelbeersträuchern oder Sauerbäumen aus unterschiedlichen Gründen gelegentlich blau. Dafür spricht auch eine Beobachtung aus dem Bundesstaat New York aus dem Jahre 2010. Wie die New York Times berichtete, beobachteten Imker aus in Brooklyn, New York, dass viele ihrer Bienen nicht mit normalem Blütennektar in den heimischen Stock zurückkehrten, sondern mit einer roten Flüssigkeit. Auch die Waben strahlten bald in hellem Rot.

Eine Untersuchung staatlicher Behörden ergab, dass das, was die Bienen da anstelle eines anständigen Honigs produzierten, einen Lebensmittelfarbstoff enthielt: Allurarot (Red Dye No. 40). Und auch die Quelle war bald identifiziert: Dell's Maraschino Cherries Company in Brooklyn, ein Hersteller von Kirschlikör. Die Bienen bedienten sich an dem, was im Hof der Anlage aus Bottichen mit Kirschdicksaft schwappte.

Die Tierchen zeigten - wie nun in Frankreich - offenbar eine ähnlich große Vorliebe für künstlich hergestellte Süßigkeiten wie wir Menschen, wofür man ihnen ja nicht böse sein darf. Was die Insekten in Brooklyn aus dem süßen Saft machten, schmeckte allerdings - anders als der blaue Heidelbeer-Honig aus North Carolina - einfach nur furchtbar, wie das Grist Magazine berichtete.