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Weltgesundheitsorganisation:SMS-Schreiben gegen Krebs

Die Interphone-Studie, an der sich auch Forscher aus Deutschland beteiligt hatten, war für viele Fachleute enttäuschend. Die Veröffentlichung der Ergebnisse hatte sich um Jahre verzögert. Die Forscher aus 13 Ländern hatten in den frühen 2000er-Jahren 5200 Krebspatienten mit 7700 Gesunden verglichen. Damals waren Mobiltelefone weniger verbreitet als heute, und die Anzahl langjähriger Nutzer entsprechend klein.

Über die ganze Gruppe betrachtet ging von Handys keinerlei Gefahr aus, ja die Geräte schienen sogar vor Gehirntumoren zu schützen. "Das hat keine biologische Basis, sondern liegt an methodischen Problemen unserer Studie", sagte Cardis. Stattdessen hieß es auf der ersten Seite der Studien-Publikation: "Insgesamt wurde mit dem Gebrauch von Mobiltelefonen kein erhöhtes Risiko für Gliome und Meningeome beobachtet", es gebe aber "Hinweise" darauf.

Die Resultate wiesen allerdings auch das erhöhte Risiko für intensive Nutzer aus. "Das ergibt ein klares, widerspruchsfreies Bild", bestätigte im vergangenen Mai der Epidemiologe Eberhard Greiser, der früher ein Institut der Universität Bremen geleitet hatte. "Eine hohe Dosis Strahlung führt im betroffenen Gewebe zum Ausbruch eines seltenen Tumors."

Bei diesem Teilergebnis hatte aber unter anderem die Erinnerung der Krebspatienten eine Rolle gespielt, an welche Seite des Kopfes sie ihre Handys normalerweise gehalten hatten. Etliche Forscher fürchteten, die Erinnerung sei entweder getrübt, oder durch die Diagnose des Tumors auf einer Kopfseite beeinflusst. In einer ausführlichen Analyse sprachen manche Indizien für diese These, viele aber auch dagegen, so dass die entsprechenden Daten in der insgesamt vorsichtig formulierten Auswertung stehen blieben.

Bei der Bewertung der Zahlen im Abschlussbericht gebe es darum "legitime Unterschiede der Interpretation" zwischen den Forschern, so Cardis im vergangenen Mai. Insider hatten auch von handfestem Streit in der Gruppe der 21 leitenden Wissenschaftler gesprochen. Diese Differenzen hatten sich seitdem immer wieder in Kommentaren aus der Handyindustrie und von Mobilfunk-kritischen Forschern und Bürgerinitiativen niedergeschlagen, die sich jeweils die Teile aus der Studie heraussuchten, die zu ihrem Weltbild passten. Auch die WHO-Klassifikation und die Begründung dazu werden vermutlich derart aufgefasst und ausgeschlachtet.

© SZ vom 01.06.2011/mcs
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