Streit um Vogelgrippe-Studien:"Keine gute Idee, das zu veröffentlichen"

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Zu den Studien von Fouchier und Kawaoka erarbeite das NSABB derzeit eine Stellungnahme, sagt dessen Sprecherin Jennifer Haliski. Vorher wolle sie sich nicht äußern. Dauerhaft verbieten kann das Gremium die Veröffentlichungen jedoch nicht. Fouchier schweigt mittlerweile gegenüber der Presse, "weil er das Gremium nicht beeinflussen will", wie seine Assistentin sagt, und auch Kawaoka äußert sich nicht.

Virologen sind geteilter Meinung über die Experimente. Klenk warnt vor allzu schnellen Schlussfolgerungen: "Frettchen sind zwar sehr gute Modelltiere. Trotzdem ist damit noch nicht gesagt, dass sich das Virus im Menschen genauso verhält." Zudem können die Versuche eine weitere wichtige Frage nicht klären: Würde ein mutiertes Vogelgrippevirus wirklich zu einer millionenfach tötenden Pandemie führen? Ein Virus, das sehr schnell seine Opfer tötet, beraubt sich seiner eigenen Wirte. "Möglicherweise würde eine Pandemie recht schnell wieder stoppen, wenn das Virus zum Beispiel die Hälfte der Infizierten innerhalb kurzer Zeit tötet", sagt Klenk.

Thomas Inglesby, Direktor des Center for Biosecurity der University of Pittsburgh und NSABB-Mitglied, hält es dagegen für "keine gute Idee, ein tödliches Virus in ein tödlich-ansteckendes Virus zu verwandeln", zitiert ihn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. "Und es ist ebenfalls keine gute Idee, das dann auch noch zu veröffentlichen."

Andere Experten widersprechen dem. "Diese Studien sind äußerst wichtig, zum einen für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, und zum anderen können die daraus resultierenden Ergebnisse Informationen für die Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens beinhalten", sagt die Hamburger Vogelgrippe-Expertin Gabriel. "Ich halte Versuche wie die von Fouchier für notwendig, um zu wissen, wie und warum sich das H5N1-Virus verändert", argumentiert auch Klenk.

Sein Marburger Kollege Stephan Becker ergänzt: "Das Problem ist nicht, dass Forscher solche Experimente machen, sondern dass sich die Viren auf die gezeigte Weise verändern. Wir müssen lernen, warum sie das tun. Andernfalls können die Folgen für die öffentliche Gesundheit dramatisch sein, wenn es wirklich zu einem Ausbruch kommt." Noch mehr Unverständnis ruft bei einigen Virologen die zurückgehaltene Veröffentlichung hervor. "Ich finde es müßig, jetzt noch darüber zu diskutieren", sagt Becker. Schließlich habe Fouchier seine Arbeit bereits vor Monaten öffentlich präsentiert - und auch genügend Informationen geliefert, damit in der Genetik versierte Menschen sie nachmachen könnten, argumentieren Klenk und Becker. Unklar ist noch, wie detailliert die bei Science eingereichten Manuskripte sind. Üblicherweise werden die dort veröffentlichten Studien so knapp dargestellt, dass die verwendeten Techniken nur grob geschildert werden. "Soweit ich es beurteilen kann, sind die von Fouchier und Kawaoka angewandten Methoden in der virologischen Forschung in hoch spezialisierten Laboren bekannt und etabliert", sagt Gabriel.

Dabei bestreitet keiner der Forscher, dass die Erkenntnisse über die veränderten Viren missbraucht werden könnten. "Wenn die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden, weckt das erst recht das Interesse an ihnen", sagt Klenk. Bestätigt wird dies durch eine gerade im Fachblatt Virology erschienene Studie (online). Darin berichten Forscher um Li-Mei Chen von der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta von ähnlichen Versuchen, wie sie Fouchier gemacht hat. Allerdings waren die mutierten Vogelgrippeviren der CDC-Forscher etwas weniger ansteckend als die im Rotterdamer Labor. Das Team um Chen konnte seine Studie ohne Aufregung veröffentlichen.

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