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Partnerschaft:Spielregeln der Liebe

Statussymbole

Frauen suchen nach Männern mit hohem Status, sagt die Statistik.

(Foto: Joshua Reddekopp/Unsplash)
  • Dass Männer besonders auf weibliche Schönheit und Frauen besonders auf hohen männlichen Status anspringen, scheint quer durch die Epochen, Kulturen und Religionen gültig zu sein, zeigt eine neue Untersuchung.
  • Die Forscher betonen jedoch, dass Frauen und Männer einander viel ähnlicher seien, als die oft hitzigen Debatten nahelegen.

Sobald der Tsunami der Pubertät das letzte Körnchen Unschuld fortgerissen hat, beginnt die Zeit der Kränkungen. Das Begehren erwacht und wird meist mit Zurückweisung bedacht. In der Schule schwärmen dann fast alle Jungs der Klasse für dasselbe Mädchen, weil es so wunderschön ist. Doch für die Angeschmachtete sind sie wie Luft. Sie interessiert sich für einen Jungen aus einer höheren Klasse, der einer der Rädelsführer an der Schule ist, den Ton angibt und eher nicht zu den bescheidenen Typen zählt. Die Lektion für alle Übersehenen lautet: Mädchen müssen schön sein, und Jungs brauchen einen hohen Status, wenn sie eine Chance beim anderen Geschlecht haben wollen.

Auch nach der Schulzeit ändert sich an diesen Grundsätzen gegenseitiger Anziehung wenig, darüber herrscht unter Wissenschaftlern weitgehende Einigkeit. Aber wie es zu diesen Spielregeln gekommen ist? In den gegenwärtigen Diskussionen werden reflexartig und fast ausschließlich gesellschaftliche Erwartungen oder Geschlechternormen verdächtigt. In der Tat sind das mächtige Triebkräfte, aber doch nur ein Teil des großen Puzzles, wie aktuelle Studien zeigen.

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Dass Männer besonders auf weibliche Schönheit und Frauen besonders auf hohen männlichen Status anspringen, scheint nämlich quer durch die Epochen, Kulturen und Religionen gültig zu sein. Wäre dafür allein der gesellschaftliche Rahmen verantwortlich, müssten überall die gleichen Rollenerwartungen und Geschlechternormen gelten. Das aber sei unwahrscheinlich, wie etwa die Evolutionspsychologen David Buss und David Schmitt argumentieren, die gerade im Fachblatt Annual Review of Psychology den Stand der Forschung zu dem Thema zusammengetragen haben.

In eine ähnliche Richtung weist eine Arbeit, die Psychologen um Benedict Jones von der Universität Glasgow publiziert haben. Die Forscher verglichen Daten von mehreren Tausend Teilnehmern aus 36 Ländern - darunter Deutschland, Schweden, die USA, Indonesien, Iran und die Philippinen. Dabei fanden sie keine triftigen Hinweise darauf, dass sich die Idealvorstellung von einem Partner zwischen Ländern mit ausgeprägter Geschlechtergleichheit und Ländern mit traditionellen Rollenbildern in relevantem Ausmaß unterscheiden würden. Überall sehnten sich mehr Männer als Frauen nach Schönheit; und mehr Frauen als Männer suchten nach Partnern mit hohem Status. Rollennormen scheinen also nur begrenzt darauf einzuwirken, was einen potenziellen Partner attraktiv macht. Sonst sollten sich die Ideale in modernen Gesellschaften doch deutlicher ändern.

Wohlgemerkt: Die Forscher werten nicht, sie tragen nur Beobachtungen zusammen - quasi die Empirie zu den Kränkungen der Schulzeit. Außerdem betonen sie, dass Frauen und Männer einander viel ähnlicher seien, als die oft hitzigen Debatten nahelegen. Sehr viele Frauen pfeifen auf Brusttrommler mit Prestige; und sehr viele Männer verlieben sich aufgrund unzähliger Eigenschaften jenseits klassischer Schönheitsideale. Auch diese Lektion wird schon zu pubertären Zeiten gelehrt: Die Liebe kennt verschlungene Wege - und Status oder Schönheit sind verschwendet, wenn jemand eine hohle Nuss ist.

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