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Stammzellforschung:Aus Haut wird Blut

Kanadischen Forschern ist es gelungen, Blut ohne Umwege aus Haut herzustellen - vorerst aber nur im Labor. Trotzdem ist bereits von einem Durchbruch die Rede.

Werner Bartens

Blut aus Haut? Laien fällt dazu wahrscheinlich zuerst die blutende Wunde ein, die entsteht, wenn die Haut aufgeschürft ist. Forschern der McMaster University im kanadischen Hamilton ist es nun jedoch gelungen, Blut ohne Umwege aus Haut herzustellen, wie sie im Fachmagazin Nature (online) berichten.

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Werden Blutspenden bald obsolet? Kanadische Forscher haben Blut aus Bindegewebszellen der Haut hergestellt.

(Foto: dpa)

Schon ist von einem Durchbruch die Rede und davon, dass Blutspenden bald obsolet werden könnten. Allerdings klappt die Verwandlung noch nicht bei Menschen, sondern vorerst nur im Labor mit Zellen. Das Prinzip scheint jedoch zu funktionieren. 2012 sollen die ersten klinischen Versuche beginnen.

"Wir konnten erstmals zeigen, dass es mit menschlicher Haut geht", sagt Mickie Bhatia, Leiter des Stammzell- und Krebsforschungsinstituts in Hamilton. "Wir wissen nun, wie es funktioniert und können den Prozess bestimmt noch weiter optimieren."

Die Wissenschaftler hatten zunächst Bindegewebszellen der Haut isoliert. Diese Fibroblasten wurden anschließend mit einem Mix aus Wachstumsfaktoren und Botenstoffen so behandelt und umprogrammiert, dass sie sich in einen Zelltyp verwandelten, aus dem sich verschiedene weiße und rote Blutkörperchen entwickelten. Damit lassen sich alle notwendigen Blutbestandteile herstellen, ohne dass dazu pluripotente Stammzellen notwendig sind.

"Das ist ein überzeugender Beweis für die direkte Umwandlung von Haut zu Blut", sagt Cynthia Dunbar, Blutexpertin an den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA. "Zudem ist dieser Weg sicherer und effizienter und führt zu ausgereifteren Blutzellen, als die bisher enttäuschenden Versuche mit embryonalen und anderen Stammzellen."

Samuel Weiss von der Universität Calgary hält die in Hamilton gelungene gezielte Differenzierung von Zellen sogar für noch bedeutsamer: "Diese Entdeckung könnte eine neue Ära in der Behandlung für Krebs und Blutleiden einläuten." Die Versuche von 2012 an werden zeigen, ob soviel Optimismus gerechtfertigt ist.

© SZ vom 09.11.2010/mcs

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