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Schweinegrippe: Prognose:Täglich Hunderte neue Fälle

Egal wohin man reist, das Schweinegrippe-Virus ist schon da. Experten rechnen daher damit, dass Urlaubsrückkehrer die Erkrankungszahlen auch in Deutschland weiter nach oben schnellen lassen.

In Deutschland sind nun täglich 400 bis 600 neue Fälle von Schweinegrippe zu erwarten. Dies prognostizierte das Robert-Koch-Institut am Freitag in Berlin. Drastische Gegenmaßnahmen wie Reisebeschränkungen oder die Absage von Sportveranstaltungen sind aber vorerst nicht geplant. Weltweit gibt es inzwischen 130.000 Infektionen mit dem neuartigen Virus - insgesamt zwei Milliarden könnten es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden. Schlüssel für die Bekämpfung ist aus Sicht der WHO der Impfstoff, der Ende September oder Anfang Oktober verfügbar sein soll.

Ankündigungen von Herstellern, den Impfstoff früher auszuliefern, seien nicht realistisch, sagte Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Das sei "schlichte Propaganda". Produktion und Tests dauerten eben so lange - und zwar für alle Länder gleich. "Wir sitzen alle im selben Boot", sagte Schröder.

Die Bundesländer bestellten am Freitag wie angekündigt zunächst 50 Millionen Impfdosen, mit denen 30 Prozent der Bevölkerung geschützt werden sollen. Vorrang haben chronisch Kranke und Schwangere sowie Menschen, die im Gesundheitswesen oder bei Polizei und Feuerwehr arbeiten. Über die 50 Millionen Dosen hinaus gebe es die Option zum Kauf weiteren Impfstoffs, teilte das Thüringer Gesundheitsministerium mit. Die Produktion einer so großen Menge dürfte aber nach der Zulassung des Serums einige Zeit dauern.

Erkrankungsrate steigt rasch

Die Fallzahlen in Deutschland haben sich allein in dieser Woche in etwa verdoppelt, wie Schröder sagte. Nach den jüngsten RKI-Zahlen waren am Freitag 2844 Fälle registriert, 389 mehr als 24 Stunden zuvor. Am Tag vorher waren sogar 637 neue Fälle registriert worden. In dieser Größenordnung würden die Fallzahlen nun täglich weiter steigen, sagte Hacker. Es müsse auch damit gerechnet werden, dass es auch in Deutschland "zu schweren Verläufen" komme. Man sei besorgt, dürfe aber nicht in Panik verfallen.

Rund 80 Prozent der Krankheiten seien importiert, kommen also mit Urlaubsrückkehrern nach Deutschland. Reisewarnungen soll es dennoch nicht geben. Wenn möglich, solle man Menschenansammlungen meiden, riet Hacker. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagte, eine Absage von Großveranstaltungen sei derzeit nicht geplant.

Ihr Staatssekretär Schröder fügte an, auch die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin im August sei aus heutiger Sicht nicht in Gefahr. Im Einzelfall könne es aber richtig sein, öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen zeitweise zu schließen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte, die Schweinegrippe sei mittlerweile nahezu weltweit verbreitet. 160 der 193 WHO-Mitgliedstaaten seien von der Influenza betroffen. "Wir nähern uns einer hundertprozentigen Verbreitung", sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl in Genf. Die Zahl der Todesopfer weltweit liege rund vier Monate nach dem ersten Auftreten der Schweinegrippe bei fast 800.

© dpa/AP/AFP/beu

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