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Schnelle Wissensnachrichten:Joggen wirkt auf Facebook ansteckend

Sportler verbreiten über soziale Netzwerke Elan, Löwen wurden wegen Zahnschmerzen zu Menschenjägern, und südafrikanisches Gold entstand mithilfe von Erdöl. Die Wissensnachrichten der Woche.

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Hannover-Marathon

Quelle: dpa

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Laufen ist ansteckend

Gelegentlich drängt sich ja der Eindruck auf, dass nur mehr das als real gilt, was in den sozialen Netzen geteilt und beklatscht wird. Das gilt auch für Hobbysportler, die ihre Läufe, Radtouren, Schwimmeinheiten und andere Ertüchtigungen mit Apps wie Runtastic oder Strava aufzeichnen und präsentieren. Der Reiz besteht darin, erstens Daten über eigene Leistungen zu sammlen, und zweitens von seinen Kontakten virtuell auf die Schulter geklopft zu werden: Gut gemacht! Die beiden MIT-Forscher Sinan Aral und Christos Nicolaides berichten nun in Nature Communications, dass sich Läufer auf diese Weise quasi mit Motivation infizieren: Wenn einer joggt, bringt das die anderen in seinem Netzwerk dazu, ebenfalls die Laufschuhe anzuziehen.

Die Wissenschaftler werteten Daten von mehr als 1,1 Millionen Hobbysportlern aus, die ihre Läufe mit einer App aufzeichneten und teilten. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über fünf Jahre. Es zeigte sich, dass besonders die weniger aktiven Läufer als Motivationsquelle wirkten. Sobald sich diese überwanden, eine Runde zu schwitzen, zogen die sehr aktiveren Läufer bald nach. Umgekehrt wirkte eine Sporteinheit eines ohnehin sehr aktiven Mitglieds des Netzwerks nicht motivierend auf die etwas fauleren Sportler.

Das Denkmuster dahinter mag sein, dass die Superfitten sich sowieso immer weiter trimmen und man sich mit diesen erst gar nicht vergleichen müsse. Umgekehrt setzt es die Dauersportler eher unter Druck, wenn die Couch-Potatos aus der Freundesliste aktiv werden. Wahrscheinlich handelt es sich hier auch weniger um Ansteckung, als um Wettbewerb, schließlich bieten die Sportler-Apps viele Möglichkeiten, sich zu vergleichen und einander zu übertrumpfen. Auch das Geschlecht der Läufer beeinflusste, ob sich andere von der Aktivität inspirieren ließen: Männer und Frauen motivierten Männer; Frauen ließen sich hingegen nur von anderen Frauen zu einem eigenen Lauf hinreißen.

Sebastian Herrmann

Rotkehlchen beim Frühlingsgezwitscher

Quelle: Hanns-Peter Lochmann/dpa

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Vögel, die in der Stadt oder in der Nähe stark befahrener Straßen leben, haben ein Problem: Ihr Gezwitscher geht im Verkehrslärm unter. Das ist nicht nur unromantisch, sondern kann schwerwiegende Konsequenzen haben - etwa wenn es den Männchen nicht mehr gelingt, durch ihren Gesang Weibchen anzulocken, und am Ende dann der Nachwuchs ausbleibt.

Ornithologen der George Mason University in Virginia haben jetzt herausgefunden, dass zumindest der Östliche Waldtyrann, ein Singvogel im Osten der USA, versucht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen (Bioacoustics). Die Wissenschaftler stellten Mikrofone in verschiedenen Parks von Washington auf und nahmen sowohl den Gesang der Vögel als auch die Hintergrundgeräusche des Verkehrs auf. Dabei bemerkten sie, dass Waldtyrannen in lauter Umgebung anders singen als in leiser. Bei Lärm ließen die Vögel speziell die tiefen Töne weg, wahrscheinlich, weil diese vom Geräusch der Motoren am stärksten geschluckt werden, mutmaßen die Wissenschaftler. Dadurch wurde ihr Gesang eintöniger und kürzer. Wenn der Verkehr nachließ, zum Beispiel am Wochenende, reagierten die Tiere sofort, indem sie die tiefen Frequenzen wieder einbauten und ihr ursprüngliches Lied hören ließen.

Obwohl der veränderte Gesang in lauter Umgebung tatsächlich besser zu hören war, bezweifeln die Ornithologen, dass die Strategie des Waldtyrannen aufgeht. Sie vermuten nämlich, dass Artgenossen auf den veränderten Gesang weniger gut reagieren.

Tina Baier

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Quelle: James St. John

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Erdöl formte südafrikanische Goldvorkommen

Im südafrikanischen Witwatersrand liegt eins der berühmtesten Goldvorkommen der Welt. Als der Engländer J.H. Davis die Lagerstätten 1852 entdeckte, löste er damit einen jahrzehntelangen Goldrausch aus. Unklar war jedoch bislang, wie die Vorkommen einst geologisch entstanden sind.

Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel sind dem Rätsel nun nähergekommen: Demnach spielte Erdöl bei der Ablagerung des Golds vor drei Milliarden Jahren eine wichtige Rolle. Zu dieser Zeit war das heutige Südafrika zu einem großen Teil mit Meerwasser bedeckt. In diesem Becken bewegten sich große Mengen an gelöstem Gold und Erdöl. Die Öltröpfchen ließen das gelöste Gold durch eine chemische Reaktion schließlich ausflocken, berichten die Forscher im Fachmagazin Precambrian Research. So seien sehr komplexe Gold-Uranerze entstanden. Auch Uran findet sich im Witwatersrand bis heute.

Christoph Behrens

Löwe in Kenia

Quelle: Stephen Morrison/dpa

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Zahnschmerzen machten Löwen zu Menschenjägern

Auch Löwen haben kulinarische Vorlieben, zum Glück. Vor die Wahl gestellt entscheiden sich die mächtigen Raubkatzen nämlich in aller Regel für Antilope oder Zebra und gegen Homo sapiens. Im Südosten Kenias hielten sich vor knapp 120 Jahren zwei Löwenmännchen nicht an diesen inoffiziellen Speiseplan: Binnen einiger Monate töteten und fraßen die zwei Tiere Dutzende Gleisarbeiter, die an der Strecke der Uganda-Bahn arbeiteten.

Warum die zwei Raubkatzen damals im Jahr 1898 ihr Beuteschema so radikal änderten und ihre Jagdzüge auf Menschen fokussierten, beschäftigt Wissenschaftler noch heute. Nun geben Forscher um Larisa DeSantis von der Vanderbilt University in der Fachzeitschrift Scientific Reports eine überraschende Antwort: Die Löwen litten vermutlich an Zahnschmerzen und fraßen deshalb Menschen. Analysen der Gebisse der beiden Löwen von Tsavo, die einst die Gleisarbeiter gerissen hatten, legten nahe, dass die Tiere an schmerzhaften Abszessen an den Zahnwurzeln gelitten hatten. Diese machten es den Raubtieren wohl unmöglich, große Beute zu reißen oder die Kadaver bereits verendeter Tiere zu zerlegen.

Menschen stellten wohl die letzte Möglichkeit für die Löwen dar, etwas zu beißen zu kriegen, was ihnen keine höllischen Zahnschmerzen bereitete. Bisher hatte als wahrscheinlichste Erklärung für den plötzlichen Menschenhunger der Löwen gegolten, dass damals während einer langen Dürre Nahrung einfach so knapp war, dass es für die Löwen nichts anderes gab als Menschenfleisch.

Sebastian Herrmann

© SZ.de/chrb
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