Archäologie Geheimkammer im Palast von Kaiser Nero entdeckt

Die entdeckte Kammer ist Teil der Domus Aurea, des Goldenen Hauses.

(Foto: Parco Archeologico del Colosseo/AFP)
  • Nur durch Zufall entdeckten die Archäologen den neuen Raum.
  • Prächtige Wandbilder zeigen Tiere, Götter, Fabelwesen und schwertschwingende Krieger.
  • Immer wieder war es in den vergangenen Jahren zu Einstürzen in Räumen des Palastes gekommen.
Von Hubert Filser

Als die Archäologen ihre gleißend hellen Scheinwerfer anwarfen, um von ihrem Gerüst aus Wände und Decke von Raum 72 im Palast von Kaiser Nero besser konservieren zu können, fiel der Lichtstrahl in die nördliche Ecke des Raums. Da war eine Öffnung, die sie bis dahin nicht bemerkt hatten. Dahinter zeigte sich das Tonnengewölbe einer weiteren Kammer. Ein großer Teil des Raums war mit Erde gefüllt. Erkennbar waren aber prächtige Wandbilder; zahlreiche Figuren in Rot- und Ockertönen, teilweise mit Goldapplikationen verziert. Fabelwesen aus der antiken Mythologie, tanzende Zentauren, der ziegenbeinige Gott Pan, Vögel, Wassertiere und seltsame Mischwesen, halb Fisch, halb Pferd. Auch ein schwertschwingender Krieger mit Schild und Pfeilköcher war zu sehen, der von einem Panther angegriffen wird, und eine seltsame Sphinx auf einem Stein.

Nach dieser Sphinx benannten die Archäologen des Parco archeologico del Colosseo um Alfonsina Russo den neuen Raum. Kürzlich stellte die Wissenschaftlerin in Rom eine erste archäologische Bestandsaufnahme des bereits Ende vergangenen Jahres entdeckten, fast fünf Meter hohen rechteckigen Saales der Öffentlichkeit vor. Die auf weißen Untergrund gemalten Figuren verzieren praktisch das komplette Tonnengewölbe. Die Kammer ist Teil der auch sonst üppig dekorierten Domus Aurea, des Goldenen Hauses. Dieser Prunkbau, der mindestens 150 Zimmer umfasste, gehörte zu einer um einen künstlichen See gebauten, gut einen Quadratkilometer großen Palastanlage, die Kaiser Nero unmittelbar nach dem Brand Roms im Jahr 64 nach Christus errichten ließ. Diese erstreckte sich einst über drei Hügel Roms und wurde nach dem Tod Neros im Jahr 68 allmählich überbaut, an der Stelle des Sees entstand etwa das Kolosseum.

Der Raum soll vorerst weiter teils mit Erde gefüllt bleiben, um die Stabilität nicht zu gefährden

Große Teile der Domus Aurea ließen Neros Nachfolger mit Schutt auffüllen, auch um später darauf üppige Badeanlagen bauen zu können. So lagen die Überreste jahrhundertelang versteckt im Untergrund, die Farben der Fresken sind daher teilweise exzellent erhalten. In der Renaissance waren erste Räume des Kaiserpalastes wiederentdeckt worden, Künstler wie Michelangelo und Raffael hatten sich durch Deckenöffnungen abgeseilt und einzelne Fresken kopiert, wie Signaturen an einigen Stellen der Wand verraten.

Der Sphinx-Raum findet sich im Untergrund eines riesigen Gebäudeteils unter dem Colle Oppio, einem südlichen Ausläufer des Esquilin-Hügels. "Jetzt, da der Sphinx-Raum nach fast zwanzig Jahrhunderten dem Vergessen entrissen wurde, erzählt er uns etwas von der Atmosphäre während der Herrschaft Kaiser Neros", sagt Russo. Immer noch sind Teile seiner Wände mit Erde bedeckt. Dies soll auch zunächst so bleiben, denn immer wieder war es in den vergangenen Jahren zu Einstürzen in Räumen des Palastes gekommen, weil man allzu schnell die Strukturen freigelegt hatte. Teile des Parks über der Anlage wurden inzwischen abgetragen, um die Gemäuer zu entlasten.

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