Psychologie:Erschöpfung beeinträchtigt das Gedächtnis

Lesezeit: 1 min

Augenzeugen sind wichtig, wenn es um die Aufklärung von Verbrechen geht. Doch körperliche Anstrengung vernebelt die Erinnerung. Wenn Polizisten einen Verdächtigen verfolgen oder mit ihm kämpfen müssen, kann das den Wert ihrer Aussagen beeinträchtigen, sagen Psychologin.

Sebastian Herrmann

Körperliche Anstrengung vernebelt das Gehirn. Schon 60 Sekunden an einem Boxsack reichen, dass sich Polizisten schlechter an Details eines Tatorts erinnern und Personen nicht zuverlässig identifizieren.

Das berichten Psychologen um Lorraine Hope von der Universität Portsmouth, die 52 Polizeibeamte einer anstrengenden Simulation unterworfen haben (Psychological Science, online). Die Ergebnisse sind für den Alltag relevant: Es komme häufig vor, dass ein Polizist einen Verdächtigen verfolgen oder mit ihm kämpfen müsse, sagt Hope. Wenn dies den Wert der Aussagen der Beamten beeinträchtige, müsse dies berücksichtigt werden, argumentiert die Psychologin.

Vor dem Versuch wurden die Polizisten über Details mehrerer Raubüberfälle informiert. Dann musste sich die Hälfte der Probanden an einem Boxsack verausgaben. Die Beamten sollten diesen so lange mit Tritten, Schlägen und Schwingern traktieren, bis sie außer Puste waren. Dann wurden sie durch eine Kulisse mit einem Wohnwagen geführt, in dem sich ein Verdächtiger befand.

Auf dem Weg begegneten die Polizisten einem weiteren Darsteller, der kurz mit ihnen Augenkontakt aufnahm. Außerdem lagen unter anderem ein Schnellfeuergewehr und ein langes Messer in ihrem Blickfeld. Die Kontrollgruppe ging durch die Kulisse, ohne sich zuvor zu verausgaben.

Die Erschöpfung beeinträchtigte die Wahrnehmung deutlich. Die Polizisten merkten sich weniger Informationen aus dem Eingangsbriefing als die ausgeruhten Probanden. Sie erinnerten sich auch weniger gut an den Verdächtigen und den Mann, dem sie zufällig begegnet waren. Nur an die Waffen in ihrem Blickfeld erinnerten sich beide Gruppen gleich gut.

Offenbar reduziere Erschöpfung die kognitiven Fähigkeiten, sagt Hope. Die geistigen Kapazitäten, die noch vorhanden seien, beschränkten sich auf die Wahrnehmung wirklich bedrohlicher Informationen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB