Ornithologie:Wir wollen mehr!

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(Foto: Mauritius Images)

In Nachbars Garten ist das Gras immer grüner als bei einem selbst? Für eine amerikanische Vogelart gilt das unbedingt.

Von Sebastian Herrmann

Zu den wesentlichen Anfechtungen des menschlichen Daseins zählt der Umstand, dass Zufriedenheit rasch wieder verpufft. Die Freude über neuen Besitz verblasst deprimierend schnell, der Stolz auf ein erreichtes Ziel weicht rasch Zweifeln, was denn nun anstehen könnte - und das Gras beim Nachbarn drüben hinter dem Gartenzaun, das ist sowieso immer viel grüner als bei einem selbst. Da beruhigt es irgendwie, dass es Tieren nicht anders geht. Die Heuschreckenammer zum Beispiel, ein in Nordamerika beheimateter Sperlingsvogel, steckt ebenfalls in der Optimierungs-Tretmühle fest. Die Tiere sind permanent auf der Suche nach einem besseren oder wenigstens anderen Revier - selbst wenn sie schon erfolgreich ein nahezu perfektes Territorium für sich reklamiert haben. So berichten Emily Williams und Alice Boyle von der Kansas State University im Fachblatt The Auk: Ornithological Advances, dass etwa 75 Prozent der von ihnen beobachteten männlichen Heuschreckenammern mindestens einmal pro Saison ohne erkennbare Not das Territorium wechseln. Für die Vögel sehe das Gras auf der anderen Seite des Zaun wahrlich grüner aus, so die Forscher. Im Gegensatz zum Menschen profitieren die Tiere jedoch von diesem Verhalten: Auf diese Weise können sie Fressfeinden besser ausweichen und zugleich stoßen sie auf neue, bis dato von Artgenossen unbewohnte Habitate.

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