Orang-Utans Baumflucht auf Borneo

Ein Orang-Utan im indonesischen Teil von Borneo

Mit Kamerafallen im Urwald beobachteten Forscher Orang-Utans in Borneo - und stießen auf ein merkwürdiges Phänomen: Warum kraxeln die Affen von den Bäumen herab, obwohl sie dort Raubtieren ausgesetzt sind?

Mehr als 1400 Kamerafallen hatten die Wissenschaftler im Urwald Borneos aufgestellt, um dann fast sieben Jahre lang zu warten, von Juni 2006 bis März 2013. Sie wollten die Lebensweise der Orang-Utans erforschen, die sonst nur noch auf Sumatra leben und als die größten Baumbewohner der Welt gelten.

Überaus elegant hangeln sie sich mit ihren langen und kräftigen Armen durch die Äste, die Nächte verbringen sie in selbstgebauten Nestern auf den Bäumen. Umso größer war die Überraschung der Forscher um Mark Harrison von der University of Leicester als sie nun die automatisch geschossenen Fotos auswerteten: Es zeigte sich, dass die zotteligen Menschenaffen wesentlich mehr Zeit als bislang bekannt auf dem Boden verbringen, wo sie sich relativ mühsam auf allen vieren fortbewegen und von Raubtieren bedroht sind (Scientific Reports, online).

Dieses Verhalten wurde bei Orang-Utans beider Geschlechter und aller Altersklassen beobachtet, wobei ausgewachsene Männchen sich am häufigsten auf den Erdboden wagen. Die Ursache für den Abstieg ist nicht ganz klar, vermutlich spielen die zunehmend ausgedünnten Wälder und löchrigen Baumkronen eine Rolle. Dennoch sehen die Forscher in der Baumflucht der Affen auch eine Chance für die Tiere, wie Studienautor Harrison sagt: "Es stärkt ihre Fähigkeit, zumindest mit kleinflächigem Waldverlust zurecht zu kommen."