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Ölförderung:Das Geschäft geht weiter

Taube Ohren: Während BP noch damit kämpft, das Leck der "Deepwater Horizon" zu schließen, gehen die Bohrungen an anderen Orten weiter: Ölkonzerne drängen ins tiefe Wasser, wo noch große Mengen Öl und Gas lagern.

Vor einigen Tagen hatte der dänische Konzern Maersk eine gute Nachricht für die Welt. In der Tiefsee, 100 Kilometer vor der Küste Angolas, haben seine Mitarbeiter die Bohrung Chissonga-2 erfolgreich abgeschlossen. Unter 1355 Metern Wasser war der diamantbesetzte Bohrer noch 4697 Meter ins Erdreich vorgestoßen und hatte dort Öl gefunden.

Grafik - Ausbau von Tiefseebohrungen

Die produktivsten Förderanlagen im "Goldenen Dreieck" zwischen Angola, Brasilien und dem Golf von Mexiko, stehen weit draußen im Meer.

(Foto: Petroleum Economist)

Die Welt allerdings hat nicht zugehört. Seit 49 Tagen spuckt schließlich die Macondo genannte Quelle im Golf von Mexiko Rohöl ins Meer. Hier hatte der Konzern BP seit Oktober 2009 bei 1524 Metern Wassertiefe ein Loch gebohrt, Anfang April unter 5600 Metern Gestein eine reiche Lagerstätte entdeckt, aber beim Abdichten die Kontrolle verloren.

Die Umweltkatastrophe versetzt Amerika in einen Schock; Volk und Regierung verfolgen mit hilfloser Wut die Versuche von BP, das Leck zu stopfen. Die Welt schaut zu, sorgt sich um die Pelikane und betankt die Autos derweil mit Benzin, das zu einem großen Teil aus Bohrungen vor den Küsten stammt.

Schon darum ist nicht zu erwarten, dass die Suche nach Öl im Meer gestoppt wird. "Es geht hier um Bodenschätze im Wert von Billionen Dollar", erklärte Peter van Doren vom amerikanischen Thinktank Cato Institute der BBC, "da könnten 100 solche Unfälle passieren, bevor man anfängt nachzudenken."

Stattdessen sorgen sich die Experten, ob ein Moratorium bei Offshore-Bohrungen, wie es die Amerikaner verkündet haben, die Versorgung der Welt gefährdet. Fast eine Million Barrel pro Tag könnte 2015 fehlen, rechnet Nobuo Tanaka, Chef der Internationalen Energieagentur, im Wall Street Journal vor, wenn die Industrie gebremst wird. Das sei zwar nur ein Prozent des Verbrauchs, aber die Förderung lasse sich nur um sechs Millionen Barrel steigern. "Das darf man nicht ignorieren", warnt Tanaka.

Ölquelle "Goldenes Dreieck"

In Angola, wo Maersk mit den Großen der Branche um Claims gerungen hat, zweifelt niemand grundlegend an dem Geschäft. Das afrikanische Land gehört zu den Boomregionen: 2020, schätzt der Ölkonzern Shell, wird dort doppelt so viel Öl gefördert wie in Nigeria. Die produktivsten Förderanlagen, das gilt überall im "Goldenen Dreieck" zwischen Angola, Brasilien und dem Golf von Mexiko, stehen oder schwimmen weit draußen im Meer.

Offshore-Bohren ist ein gewaltiges Geschäft. 493 Milliarden Dollar, erwartet das britische Beratungsunternehmen Infield Systems, werden bis 2015 in Bohrungen, Plattformen und Pipelines vor den Küsten der Kontinente investiert. Besonders das tiefe Wasser von mehr als 400 oder 500 Metern Tiefe lockt die Ölfirmen. Die mittlere Wassertiefe ihrer neuen Anlagen hat inzwischen 954Meter erreicht, der Rekord steht bei 2852 Metern.

Längst vergleichen die konkurrierenden Firmen in Anzeigen und Präsentationen, wer am schnellsten bohrt. Der Rekord steht demnach bei etwa 150 Metern am Tag. Die Zahl der Offshore-Bohrungen und -Quellen ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen und liegt aktuell bei 3000, rechnen die Londoner Analysten vor.

Aber in den kommenden Jahren sollen sie auf 5000 steigen. Noch im Jahr der Finanzkrise 2009 wurden 242 neue Plattformen auf hoher See installiert. Das war allerdings ein historisches Tief, schon in diesem Jahr soll die Zahl wieder 350 betragen.

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