Ökologie Schön giftig

Mikroorganismen lassen das Meer vor der Stadt Fuzhou leuchten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Leuchtende Meerestierchen breiten sich vor China aus. Touristen freuen sich über das Schauspiel, doch für Fische und andere Lebewesen ist das Phänomen höchst gefährlich.

Von Christoph von Eichhorn

In Frühlingsnächten erstrahlen die Strände der chinesischen Provinzen Zhejiang und Fujian häufig hellblau. Einzeller der Art Noctiluca scintillans, auch Meeresleuchttierchen genannt, bringen das ostchinesische Meer durch biochemische Reaktionen zum Leuchten. "Blaue Tränen" heißt das Phänomen, das auch vor Taiwan gelegentlich beobachtet wird. Was vielen Touristen romantische Sommerabende beschert, ist jedoch fatal für das Ökosystem. Die Meeresleuchttierchen verspeisen Algen und geben beim Verdauen toxische Stoffe wie Ammoniak ins Meer ab. Das kann Fische und sogar Schildkröten vergiften. Außerdem verbrauchen sie so viel Sauerstoff, dass nicht mehr genug für andere Lebewesen bleibt. Anhand von Tausenden Satellitenbildern haben Ozeanologen um Chuanmin Hu von der University of South Florida nun ermittelt, dass sich die leuchtenden Teppiche seit dem Jahr 2000 immer weiter ausgebreitet haben. Die Wissenschaftler spekulieren im Fachblatt Geophysical Research Letters, dass Düngemittel aus der Landwirtschaft die Expansion befeuern. Vermutlich gelangt über den nahen Jangtse-Fluss sehr viel Dünger ins Meer und versorgt die Mikroorganismen mit Nährstoffen.