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Pestizide:Vergifteter Honigtau

Eine Schwebfliege auf einer Hortensie

Nicht immer gibt es Nektar oder Blütenstaub: Schwebfliegen ernähren sich auch von Honigtau.

(Foto: dpa)
  • Forscher zeigen, dass auch Honigtau mit Neonicotinoiden belastet wird.
  • Die Insektenvernichter gefährden nützliche Insekten demnach nicht nur über Nektar und Pollen.
  • Vor allem für Bienen, Wespen, Schwebfliegen und Ameisen ist der zuckrige Saft eine wichtige Nahrungsquelle.

Diese Ackergifte, sie scheinen überall zu sein: in den Pflanzen selbst, in ihrem Blütenpollen, im Nektar. Eine hartnäckige Gefahr sind sie deshalb nicht nur für Schädlinge. Und in der EU sind die drei wichtigsten der sogenannten Neonicotinoide, kurz Neonics, deshalb inzwischen verboten.

Doch die Stoffe sind wohl noch gefährlicher als gedacht. Wie ein spanisch-niederländisches Team von Ökologen und Entomologen jetzt in PNAS berichtet, wird auch der von Blatt- und Schmierläusen ausgeschiedene Honigtau mit Neonics belastet - und stellt als Nahrungsquelle eine zusätzliche, bislang unbekannte Gefahr für Bienen, Wespen, Ameisen und Schwebfliegen dar.

60 Prozent der Insekten starben kurz nach der Giftmahlzeit

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Zitronenbäume in Gewächshäusern mit Zitrusschmierläusen besiedelt. Die Pflanzen wurden mit Wasser oder mit den weltweit am häufigsten benutzten Neonics Imidacloprid oder Thiamethoxam behandelt. Obwohl es sich auch bei Schmierläusen um Insekten handelt, die von den Giften getötet werden, überlebten die Läuse lang genug oder in ausreichend hoher Zahl, um an den Bäumen zu saugen und Honigtau zu produzieren. Und wie Tests zeigten, enthielt auch dieser Tau die eingesetzten Gifte. Daran labten sich schließlich Schwebfliegen und Schlupfwespen.

Ein substanzieller Teil von ihnen überlebte die Giftmahlzeit mit Thiamethoxam nicht. Bis zu 60 Prozent der Tiere starben binnen drei Tagen, die übrigen lebten kürzer als unbehelligte Artgenossen. Unter Imidacloprid litten insbesondere die Schwebfliegen. Von ihnen starb etwa jedes dritte Insekt. Welchen Beitrag vergifteter Honigtau zum Insektensterben leistet, ist damit zwar noch nicht geklärt. Für die Forscher ist jedoch klar, dass neben direkten Effekten von Insektiziden und den bekannten Routen über Nektar und Pollen der Pflanzen auch der Honigtau eine Rolle für die Effekte der Insektenkiller spielt.

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