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Nach dem Klimagipfel in New York:Klimakonferenzen und Klimazirkus

Mit großem Aufwand werden deshalb alljährlich internationale Klimakonferenzen veranstaltet. Anfänglich gab es Erfolge und Fortschritte - wie etwa 1997 die sensationelle Einigung fast aller Industrieländer auf das Kyoto-Protokoll. Erstmals verpflichteten sich damals einzelne Staaten, ihre Emissionen zu reduzieren. Jeder konnte allerdings selbst festlegen, wie groß der Beitrag sein sollte. Und diese Mengen orientierten sich nicht in erster Linie daran, was klimapolitisch notwendig war. Jede Regierung gab vielmehr ein Minderungsversprechen ab, von dem sie glaubte, es ihrer Wirtschaft und letztlich ihren Wählern zumuten zu können. Einer der größten Verursacher des Treibhauseffekts machte gar nicht erst mit: die USA. Und wichtige Nationen wie China und Indien waren als Schwellenländer sowieso nicht beteiligt.

Konzept "Klimabasar"

Fünf Jahre später akzeptierte die Weltgemeinschaft auf der Klimakonferenz im mexikanischen Cancún offiziell das "Zwei-Grad-Ziel". Doch konkrete Maßnahmen wurden nicht beschlossen. Stattdessen wurde an dem Konzept der Selbstverpflichtungen festgehalten. Ein Konzept, das Hans Joachim Schellnhuber vom PIK damals als "Klimabasar" bezeichnete, auf dem jeder versucht, sich selbst auf möglichst wenig zu verpflichten. Das Ergebnis von Cancún kommentierte Schellnhuber deshalb mit den Worten: "Zustimmung zu plus zwei Grad, Abmarsch in Richtung plus 3,5 Grad bis 2100".

Umweltschutzgruppen hatten zu dieser Zeit bereits begonnen, die UN-Konferenzen als alljährlichen "Klimazirkus" zu verspotten.

UN-Klimagipfel 2012 in Doha, Katar

Klimazirkus, Klimabasar? Eröffnungszeremonie des UN-Gipfels 2012 in Doha, Katar

(Foto: REUTERS)

2012 verlängerte die Klimakonferenz 2012 in Doha in Katar das Kyoto-Protokoll bis 2020. Nachdem die USA sich sowieso nicht beteiligten, stiegen auch noch Kanada, Russland und Japan aus. Die verbleibenden 37 Länder waren nur noch für etwa 15 Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich.

Nach einem Teilerfolg sah da das Ergebnis der Klimakonferenz in Warschau 2013 aus. Bis zum Frühjahr 2015 sollen nun alle Länder - auch die Entwicklungs- und Schwellenländer! - angeben, zu welchem Beitrag zum Klimaschutz sie von 2020 an bereit sind. Auf der Klimakonferenz 2015 in Paris soll dann ein neues Klimaschutzabkommen verabschiedet werden.

Doch bislang leisten vor allem die Schwellenländer Widerstand gegen eine rechtliche Verbindlichkeit der Selbstverpflichtungen. Und alle Minderungsversprechen werden sich weiterhin an nationalen Prioritäten orientieren. Der "Klimabasar" bleibt also geöffnet, nur dass jetzt alle daran teilnehmen. Und für die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Kampf gegen Armut, Krankheit und Hunger wichtiger als vorbeugende Maßnahmen gegen Probleme, die die Zukunft bringen wird.

Wo bleibt die Klimagerechtigkeit?

Ein Aspekt, der einen Schatten auf die Verhandlungen wirft, ist die Klimagerechtigkeit. Es wäre im Prinzip richtig, wenn allen Menschen weltweit das Recht auf die gleiche Pro-Kopf-Emission zugesprochen bekämen.

Dazu kommt, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer den Industrienationen zu Recht vorwerfen, historisch gesehen für den größten Teil des Kohlendioxids in der Atmosphäre verantwortlich zu sein. Deshalb wären vor allem diese in der Pflicht, ihre Emissionen zu reduzieren - und zwar so weit, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer einen vergleichbaren Wohlstand herstellen können, ohne dass das Klima kippt. Welcher Deutsche aber will entsprechend wenig Kohlendioxid ausstoßen? Wer will sein Auto so lange in der Garage stehen lassen und auf Flugreisen, Computer, Fernsehen, Trockner und anderen Luxus verzichten, bis sich jeder einzelne Chinese, Inder, Afrikaner und überhaupt jeder Erdenbürger das Gleiche leisten kann?

File photo of smoke billowing from the RWE brown coal power plant in Neurath near Garzweiler open-cast brown coal mine, west of Cologne

Braunkohlekraftwerk in Neurath bei Garzweiler. Die Pro-Kopf-Emission von Kohlendioxid liegt in der EU bei 6,8 Tonnen, in China bei 7,2 Tonnen, in den USA bei 16 und in Saudi-Arabien bei 18 Tonnen jährlich. (Quelle: Global Carbon Project)

(Foto: REUTERS)

Ansätze wie Green Economy - grünes, nachhaltiges Wirtschaftswachstum - machen zwar Hoffnung, stecken aber noch in den Kinderschuhen. Auch haben sich die Industrieländer bereit erklärt, vom Klimawandel betroffenen Ländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, damit sich diese auf die Folgen einstellen können. Noch ist aber unklar, wie diese Summe zustande kommen soll.