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Meeresbiologie:Massensterben von Delfinen an US-Ostküste

File photo of Officials examining a dead bottlenose dolphin that washed ashore on the Long Island New York

Ein toter Tümmler, der an den Strand von Long Island, New York, gespült wurde, wird untersucht

(Foto: REUTERS)

Es ist das größte Delfinsterben, das die USA in den vergangenen 25 Jahren erlebt hat: Bereits mehr als 400 verendete Tiere wurden an den Stränden entdeckt. Todesursache ist vermutlich ein Virus.

In den USA werden derzeit Delfine zu Hunderten tot an die Strände zwischen New York und Florida gespült. Und noch ist unklar, was die Meeressäuger umbringt.

Von einem "alarmierenden Anstieg" der Fälle spricht die für den Schutz der Ozeane zuständige Umweltbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Schon vor drei Wochen hatten die Experten das Phänomen offiziell zur "Ungewöhnlichen Todeshäufung" erklärt. In diesem Sommer sind es nun bereits 404 Delfine, die angeschwemmt wurden, sagte eine NOAA-Sprecherin.

An den Küsten der Mittelatlantik-Staaten der USA sind Experten und Freiwillige unterwegs, um die Kadaver einzusammeln. "Sie arbeiten rund um die Uhr, um schnell zu toten oder lebenden Tieren zu kommen, damit wir die Sterblichkeit erfassen können", sagte Teri Rowles, die bei der NOAA eine Expertengruppe zur Gesundheit von Meeressäugern leitet.

Es sind Delfine aller Altersklassen und beiderlei Geschlechts, an den Strand gespült, manchmal noch lebend, zumeist längst tot und oft schon stark verwest. Die angespülten Tiere sind deutlich abgemagert, viele haben Lungenschäden.

Betroffen ist vor allem der Große Tümmler. Das sind jene Tiere, die die meisten Menschen mit dem Begriff "Delfin" in Verbindung bringen.

Das Phänomen ist das größte Delfinsterben seit einem Vierteljahrhundert in den USA. 1987/88 waren zwischen New Jersey und Florida etwa 750 Tiere verendet. Letztlich wurde ein Virus als Ursache identifiziert.

Und nun? "Der Hauptgrund für die Todesfälle könnte ein Virus sein", heißt es auch diesmal von der NOAA. In 32 Kadavern aus allen betroffenen Staaten seien das Cetacean morbillivirus oder zumindest Hinweise darauf gefunden worden. Ein ganz ähnlicher Erreger kann bei Hunden eine gefürchtete Krankheit auslösen, die Staupe. Und auch das Masernvirus ist mit ihm eng verwandt.

Für die Meeresbiologen ist das Virus zumindest der Hauptverdächtige. Doch sie haben auch noch Brucella in einigen Tieren gefunden. Wegen dieses weitverbreiteten Bakteriums, das die Brucellose auslösen kann, wird die Milch pasteurisiert, die wir trinken. In den Delfinen macht Brucella zumindest in einigen Fällen offenbar mit dem Virus gemeinsame Sache - und hat möglicherweise zu Entzündungen von Lungen, Gehirnen, Haut und Knochen geführt.

Zumindest zwei gute Nachrichten gibt es: Menschen können sich kaum anstecken, Badende müssen keine Sorge haben. Dennoch sollten tote oder auch sterbende Tiere keinesfalls berührt werden - ein Laborant hatte sich bei der Arbeit mit Brucella infiziert.

Die zweite halbwegs gute Nachricht: Die Art ist nicht gefährdet, noch leben Zehntausende Delfine vor der Ostküste. Allerdings hatte die Epidemie von 1987/88 dem Bestand arg zugesetzt. "Die Hälfte der Population war betroffen. Wir machen uns auch diesmal große Sorgen", sagt Biologin Rowles. Denn für dieses Mal gilt: Es ist noch nicht vorbei.

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