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Medizin:Naturgeräusche tun der Gesundheit gut

PULLING: Die Schönheit einer Distel, Pullinger Weiher im Abendrot

Plätscherndes Wasser und Wind, der Pflanzen streift, klingen nicht nur hübsch, sondern haben auch gesundheitliche Vorteile.

(Foto: Johannes Simon)

Anhaltender Lärm wie das Schlagen eines Presslufthammers kann an den Nerven zerren und den Blutdruck steigen lassen, auf Dauer kann er auch krank machen. Sanfte Naturgeräusche haben dagegen sogar eine positive Wirkung.

Von Alice Lanzke (dpa)

Vogelzwitschern, das Plätschern eines Baches oder Wind, der durch Baumkronen rauscht: Derartige Naturgeräusche klingen nicht nur hübsch, sondern haben auch handfeste gesundheitliche Vorteile. Das ist zumindest das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, die in den Proceedings der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde. Umso wichtiger sei es, so die Autorinnen der Studie, natürliche Klanglandschaften zu bewahren.

Für ihre Übersichtsarbeit hatten die Wissenschaftlerinnen insgesamt 36 Studien analysiert, die sich mit dem gesundheitlichen Nutzen von Naturgeräuschen beschäftigt hatten. Diese systematische Auswertung ergab, dass Menschen in einer natürlichen Geräuschkulisse weniger Schmerzen und weniger Stress erlebten, ihre Stimmung und die kognitive Leistung verbesserten sich. Konkret waren Vogelstimmen am besten geeignet, um Stress und Ärger abzubauen, während sich Wassergeräusche unter anderem positiv auf Blutdruck und Schmerzempfinden auswirkten. Zudem förderten sie positive Emotionen.

Das passt zu einer älteren Studie der Universität Witten/Herdecke, der zufolge Zahnarzt-Patienten, die während der Behandlung Meeresrauschen auf Band hörten, entspannter waren und weniger Schmerzen empfanden. Die für jene Studie eingesetzte Aufnahme "Meer" des Komponisten Martin Buntrock wird mittlerweile in der Geburtshilfe, bei Schlafstörungen und auch in der Sterbebegleitung eingesetzt.

Laut den Autorinnen der aktuellen Untersuchung ließen sich die vorteilhaften gesundheitlichen Effekte von Naturgeräuschen aus einer evolutionären Perspektive heraus erklären: "Natürliche akustische Umgebungen liefern Signale für Sicherheit oder eine geordnete Welt ohne Gefahr, was Kontrolle über psychischen Zustände, Minderung von stressbedingtem Verhalten und mentale Erholung ermöglicht", schreiben sie.

Darüber hinaus ergab eine im Journal Scientific Reports veröffentlichte britische Studie, dass natürliche Klänge Einfluss auf die Gehirnaktivität nehmen. So richteten Probanden beim Lauschen von Naturgeräuschen ihre Aufmerksamkeit nach außen und entspannten gleichzeitig, während das Hören künstlicher Geräusche die Aufmerksamkeit nach innen lenkte, was den Stressabbau behinderte.

"In vielerlei Hinsicht hat die Covid-19-Pandemie die Bedeutung der Natur für die menschliche Gesundheit hervorgehoben", fasst Biologin Rachel Buxton von der kanadischen Carleton University und eine der Hauptautorinnen der aktuellen Studie zusammen. "Da der Verkehr während der Quarantäne abgenommen hat, haben viele Menschen eine ganz neue Verbindung zur Geräuschkulisse hergestellt: Sie haben die entspannenden Klänge von singenden Vögeln direkt vor ihrem Fenster wahrgenommen."

Für George Wittemyer, Biologe an der Colorado State University und Mitautor der aktuellen Studie, wurde der gesundheitliche Nutzen von Naturgeräuschen in der öffentlichen Diskussion bislang nicht hinreichend berücksichtigt: "Die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit und die stressreduzierende Wirkung der Natur sind wichtiger denn je, um die besorgniserregende Zunahme von Angstzuständen und psychischen Problemen auszugleichen." In der Studie heißt es dazu abschließend: "Die Erhaltung von Klanglandschaften in Parks und anderen Grünflächen hat also mehrere Vorteile, darunter die Bewahrung wichtiger Verbindungen zur Natur, die Stärkung des Schutzes der Biodiversität und die Förderung der öffentlichen Gesundheit."

© SZ
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